Ich kann von dem Albtraum, den ich in den vergangenen Tagen erlebt habe, nur sprunghaft berichten. Mein Schock löst sich nur langsam, in Schüben, ich fange gerade erst an, die Eindrücke zu verarbeiten. Aber ich versuche es mal der Reihe nach. Vierzehn Tage vor Weihnachten bin ich mit meinem Freund Robert nach Asien geflogen, um in Koh Yao Noi Ferien zu machen. Dort lernte ich ein deutsches Paar kennen, Laelia und Hans-Jürgen, die uns für die Rückreise ein Hotel in Bangkok empfahlen. Am 23. sind wir nach Khao Lak gefahren, um dort Weihnachten zu verbringen. Wir hatten einen Bungalow im Similana Ressort gemietet und verbrachten die Tage schnorchelnd im Wasser. Am 26. wollten wir mit einem gemieteten Auto nach Phuket fahren, um von dort aus nach Bangkok zu fliegen.

Ich hätte nie gedacht, dass Zufälle so lebensentscheidend sein können und wie willkürlich über Leben und Tod entschieden werden kann. Über mein Leben wurde an diesem Vormittag entschieden, und es ging nur um wenige Minuten. Weil ich mir einige Tempelanlagen ansehen wollte, verlegten wir unsere Abfahrt um zwei Stunden nach vorn. Die Abfahrt verzögerte sich dann um eine Dreiviertelstunde. Dieses Hin und Her hat meinem Freund, unserem Fahrer und mir das Leben gerettet.

Wir fuhren los und sahen nach zehn Minuten Fahrt an der Küste, dass Menschen zum Strand rannten. Es war etwa halb elf. Ich sah Fassungslosigkeit in den Gesichtern und fragte den Fahrer: "What happened?" Er wusste es nicht, und weil er kaum Englisch konnte, zuckte er nur mit den Schultern. Wir hörten Schreie. Ich sah nach vorn, und wenige Meter vor uns war unsere Straße weggebrochen, die Kurve, eben noch da, war weg. Wir hielten an und sahen unzählige Menschen aus dem Wasser kommen: nackt, blutüberströmt, schreiend.

Wir nahmen zwei schwerverletzte Frauen in unser Auto, drehten um und wollten in die andere Richtung fahren, aber hier war die Straße durch Wassermassen blockiert und nicht passierbar. Um uns herum brach das Chaos aus: Ein Mann bekam einen Herzinfarkt, seine Frau war bei ihm. Ein anderes Paar kam aus dem Wasser gerannt, der Mann hatte Verletzungen am Schädel. Sie erzählten, dass sie nur überlebt hätten, weil sie sich gegenseitig im Wasser festgehalten hätten. Über ihnen war ein Auto ins Meer gespült worden, daher die Kopfverletzungen des Mannes. Plötzlich schrien viele in verschiedenen Sprachen, dass eine zweite Welle kommt. Es gab weder einen Weg noch eine Straße ins Landesinnere, und so flohen wir zu Fuß einen Hügel hoch in den Dschungel.

Dort geschah etwas Absurdes: Eine junge, schwer verwundete Frau aus Deutschland, 20 Jahre alt, sagte zu mir: "Ich kenn dich doch! Du bist Schauspielerin! Du bist Natalia! Bleibst du bei mir, passt du auf mich auf?" Ich kümmerte mich um sie.

Von unserem Lager aus sahen wir die zweite Welle kommen. Da saßen wir dann. Jemand verteilte Schmerzmittel, ein anderer Wasser. Die Handys funktionierten nicht, wir waren ahnungslos. Ich hatte nur ein Ziel: die Verletzten in ein Krankenhaus zu bringen. Als sich das Wasser beruhigt hatte, gingen wir den Hügel hinunter zum Auto. Das war der Moment, als wir die ersten Leichen sahen, überall Leichen, vom Wasser ans Land geschwemmt.

Die Straße schien wieder passierbar, also setzten wir uns mit unserer Truppe, inzwischen sechs Verletzte, ins Auto und fuhren in Richtung Phuket. Wir sahen überall Müll, Trümmer, umgekippte Busse, Leichen. Zum ersten Mal dachte ich: Wären wir nur fünf Minuten früher die Straße entlanggefahren, würde ich wahrscheinlich dort liegen, tot.

Wir waren in Panik. Wir hatten Fragen, die keiner beantworten konnte: Waren wir sicher? Kommt das Wasser wieder? Dann passierte, was eigentlich nur in schlechten Filmen passiert. Unser Auto blieb stehen. Der Kühlschlauch war leck, unter der Motorhaube dampfte es. Mein Freund Robert bekam das Auto wieder in die Gänge.