Offensichtlich haben viele Christen in Europa das Bedürfnis, in Zeiten zunehmender islamischer Aggression auf Konfrontationskurs zu gehen. Eckard Nordhofens Rezension ist ein Ausdruck dieser gefährlichen Tendenz. Aufklärung stellt er als alleiniges Gut des Christentums dar. Vom Islam bliebe nach dem Durchgang durch das Fegefeuer der historischen Kritik ... nicht viel mehr übrig als die wehmütige Erinnerung an die Schönheiten des alten Orients.

Ich stehe dem Monotheismus kritisch gegenüber und halte die von Nordhofen zitierte Kritik Jan Assmanns für sehr plausibel. Als Bewohner eines aufgeklärten muslimischen Landes kann ich aber nicht nachvollziehen, warum die heilige Schrift des Islams nicht ebenso Grundlage einer menschlichen und aufgeklärten Gesellschaft sein sollte wie die Bibel. Sicher, rational betrachtet ist der Koran - wie die Bibel auch - ein Konglomerat aus früheren Religionen, und sicher auch eines, das ein durchaus weltlicher Herrscher zusammengestellt und für seine Tagespolitik genutzt hat. Ein Herrscher allerdings, der die Regierenden Europas seiner Zeit an Menschlichkeit weit in den Schatten stellte.

Die islamische Geschichte gibt viele Beispiele für die gelungene Verbindung von Religion, Aufklärung und Menschenrechten - häufig zu Zeiten, als im Zeichen des Christentums pure Barbarei betrieben wurde.

DR. GERHARD JAISER, JAKARTA SELATAN JURUSAN JERMAN UNIVERSITAS INDONESIA

Der Verfasser zieht, dem Modetrend entsprechend, gegen die Ergebnisse der historisch-kritischen Exegese zu Felde: Sie hätten die Heilige Schrift zu einem Fundus von Mythen und Legenden herabgespannt, die Wundergeschichten wie vom leeren Grab und die von der Jungfrauengeburt allenfalls symbolisch verstanden und die LeserInnen vor die Alternative historisch oder heilig gestellt. Die Exegeten sind schuld an der Banalisierung von Weihnachten, ja überhaupt an der Kraftlosigkeit des westeuropäischen Christentums. Wir müssten nur endlich wieder daran glauben, dass Gott seine Weisung selber mit dem Finger auf steinerne Tafeln geschrieben hat. Meint Nordhofen das wirklich? Möchte er tatsächlich zurück zum naturalistischhistorisierenden Verständnis der Schrift?

Will er offenbar nicht. Denn als Kronzeugen zitiert er den knorrigsten Theologen des Landes, Klaus Berger. Der plädiert nämlich für Mystik, die von der begründeten Annahme ausgeht, dass die Wirklichkeit umfassender ist, als sie (natur)wissenschaftlich feststellbar ist. Recht hat er. Aber worin liegt eigentlich der exakte Unterschied im Verständnis des leeren Grabes oder der Jungfrauengeburt als einer mythischen, symbolischen Aussage, wie sie die historisch-kritische Exegese postuliert, und einer mystischen, wie sie Berger/Nordhofen propagieren? Wenn der nicht klar erkennbar ist, warum dann die törichte Polemik gegen die historisch-kritische Exegese?

Die Bibel ist ein Buch, das von Erfahrungen erzählt, die Menschen in ihrem Leben mit dem gemacht haben, was wir Gott nennen. Sie muss darum von unten gelesen werden, von der Welt, von den Menschen her. Sie ist ein Werk, geschaffen durch Menschen nach Menschenart. Deshalb ist es zum richtigen Verständnis notwendig, genau auf die vorgegebenen umweltbedingten Denk-, Sprach- und Erzählformen zu achten, die zur Zeit des Verfassers herrschten, wie auf die Formen, die damals im menschlichen Alltagsverkehr üblich waren (II. Vatikanum, Dei Verbum, Art. 12). Genau das versucht die historischkritische Exegese herauszufinden. Wir haben kein Recht, aus der Bibel etwas anderes herauszulesen als das, was die Menschen damals in sie hineinschreiben wollten.