Seit Autos ihre Ecken und Kanten höchstens noch dort haben, wo sie den Zeitgeist nicht stören, fällt es schwer, das Adjektiv markant zu verwenden. Dieses Dilemma gilt vor allem für kompakte Mittelklassewagen, die beinahe jeder Anbieter im Programm hat. Sie beginnen bei Preisen von etwa 13 000 Euro und enden oft dort, wo die Summe schon fast unsittlich wird, kurz bevor die Autohersteller die Trumpfkarte namens Oberklasse ziehen.

Der bislang eher unauffällige VW-Spross Seat macht da keine Ausnahme. In Autozeitungen liest man, dass seine jüngste Neuerscheinung mit Namen Altea in diesem Jahr alle wichtigen Autodesignpreise gewann. Aber wofür die Ehre? Zu lesen ist dort auch, dass dieser Wagen zu einer angeblich beliebten Nische gehört, die mit der Wortschöpfung Minivan bezeichnet wird.

Dieser Kunstname bezeichnet tatsächlich nicht mehr als ein neues Raummaß in der Höhe, während die Länge der Autos bei ungefähr viereinhalb Metern verharrt, damit man in deutsche Parkräume passt und immer noch zur Mittelklasse gehört. Da in einer globalisierten Welt wirtschaftlich bald jeder mit jedem verwandt oder verschwägert ist, haben sie alle, ob Mitsubishi, Citroën oder Opel, zeitgleich mit Daimler, Peugeot und General Motors ihre Minivans im Programm - Fahrzeuge, die sich - ganz wie sich das für Familienbeziehungen gehört - untereinander irgendwie ähnlich sind. Willkommen beim autotechnischen Inzest.

In jedem dieser Autos sitzt man wie in einem modern gestalteten, lichtdurchfluteten Raum, dessen Einrichtungsidee die Variabilität ist und in dem Innendesigner punktuell Zeichen setzen dürfen. Hübsche Schalter hier, Pseudo-Alu-Umrahmungen dort - der eine klappt die Rücksitze nach rechts heraus und dann vollständig in die Ebene, der andere nach links. Front-, Heck- und Seitenscheiben sind eher groß dimensioniert. Ähnlich die Motoren: Vom 1,6-Liter-Benziner bis zum 2,0-Liter-Turbodiesel passt jede Maschine in die Front und bewegt die Minivans bis zu 200 Stundenkilometer schnell. Was hat nun der Altea, was die anderen nicht haben?

Nicht viel, leider. Bei den Minivans scheint es so zu sein wie beim europäischen Fußball: Im Prinzip spielt - wie während der letzten EM zu beobachten - jede Mannschaft hochklassigen, modernen Angriffsfußball, hat eine oftmals exzellente Deckung und Torhüter, denen kaum mal ein Ball zufällig durch die Finger rutscht. Dieses einheitlich hohe Niveau machte es bis zum Ende schwer, vom Besten zu sprechen. Wie beim Altea. Er hat alle Tugenden eines modernen Autos: vier oder sechs Airbags, eine einfache und auf Elektronik basierende Navigation im Innern und eine grundsolide Verarbeitung.

Aber ist er auch ein Siegertyp?

Auf der Suche nach einer Übersetzung des Namens stößt man auf das lateinische altus - hoch, erhaben. Siegertypen sind ja - ob man das richtig findet oder nicht - eher männlich assoziiert. Auch dieses Auto hat etwas Maskulines.