Zehn Tage nach der Katastrophe in Südostasien, zu einem Zeitpunkt, zu dem die Rückholaktionen weitgehend abgeschlossen sind, blicken die Touristikkonzerne wieder in die Zukunft. Nicht nur aus Eigeninteresse, wie sie versichern, sondern auch aus Solidarität mit den betroffenen Ländern.

Der Anteil von Asienreisen am Gesamtumsatz der deutschen Reiseunternehmen liegt - nach Schätzungen des Deutschen Reisebüro- und Reiseveranstalterverbands (DRV) - bei nur etwa einem Prozent. Auch die Kosten für die Rückholaktionen dürften die Reisekonzerne nicht in wirtschaftliche Schwierigkeiten bringen. Bei den Rewe-Veranstaltermarken ITS, Tjaereborg und Jahn Reisen beispielsweise bewegen sie sich im einstelligen Millionenbereich.

Dennoch kennen die Veranstalter ihre Verantwortung. Wir sind uns bewusst, wie wichtig der Tourismus für diese Regionen ist, deswegen wollen wir die zerstörte Infrastruktur möglichst schnell wieder aufbauen, sagt DRV-Sprecher Tobias Jüngert. Nachgedacht wird in der Branche derzeit über Darlehen für beschädigte Hotels, in denen die Veranstalter große Kontingente haben. Zuerst muss allerdings das volle Ausmaß der Schäden festgestellt werden. Demnächst findet der Einkauf für die Winterkataloge 2005/2006 statt. Wir werden Sri Lanka, Thailand und Co. die Treue halten und natürlich weiterhin Reisen dorthin anbieten, sagt TUI-Sprecher Robin Zimmermann.

In einigen der betroffenen Regionen ist die Normalität schneller zurückgekehrt als erwartet. Bereits seit 1. Januar gelten bei TUI für die Malediven wieder die normalen Reisebedingungen. Das heißt, die Programme laufen, kostenlose Umbuchungen werden nicht mehr entgegengenommen. Auch Thomas Cook, FTI und die Rewe-Veranstalter ITS, Tjaereborg und Jahn Reisen haben ihre Malediven-Programme wieder aufgenommen, allerdings können reiseunwillige Gäste mit Abflügen bis 16. Januar weiterhin kostenlos umbuchen oder stornieren. Bei Thomas Cook sind auf den Malediven bereits 70 Prozent aller Hotels wieder buchbar.

Etwas anders sieht es bei Colombo und Phuket aus: Die meisten großen Veranstalter haben ihre Flüge dorthin bis Ende Januar ausgesetzt. Bei Rewe wurden alle Hotels in Khao Lak sogar bis zum 31. Oktober aus dem Programm genommen, Umbuchungen für Phuket können noch bis 30. April kostenlos vorgenommen werden.

So großzügig das auch klingen mag, Reiserechtler weisen darauf hin, dass angesichts der Warnungen, Nachbeben könnten noch Monate nach der Katastrophe die Erde erschüttern, eine kostenlose Stornierung auch längerfristig möglich sei. Ronald Schmid, Professor für Reiserecht an der Universität Dresden: Wird eine Reise durch ein bei Vertragsschluss nicht vorhersehbares Ereignis erheblich erschwert, gefährdet oder beeinträchtigt, kann der Urlauber kostenlos vom Reisevertrag zurücktreten. Das gilt bei Fortdauer der Gefahr auch für lange im Voraus gebuchte Reisen. Selbst wer einen Urlaub im Juli gebucht habe, könne diesen kostenlos stornieren. Am besten geschehe dies bald, denn so kurz nach der Katastrophe werde kein Veranstalter und Richter an einer Beeinträchtigung oder Gefährdung zweifeln. In einem Vierteljahr vielleicht schon.

Die meisten Urlauber reagieren ohnehin sehr besonnen. Beunruhigte Anrufe bei den Veranstaltern sind die Ausnahme. Wir registrieren nur wenige Stornierungen, sagt Thomas-Cook-Sprecher Boris Ogursky. Die meisten Gäste wollen umbuchen. Freie Plätze gibt es bei Thomas Cook im Januar zum Beispiel noch für Kuba, die Dominikanische Republik, Cancún in Mexiko, Kenia, Bali und Goa. Aber auch auf den Kanaren und in Ägypten seien noch Betten frei, heißt es. Ähnlich sieht es bei TUI und den Rewe-Veranstaltern aus. Bei TUI sind außerdem die Ziele im Indischen Ozean wie die Seychellen, Mauritius und Réunion gefragt, Rewe bietet als Ausweichziel ferner Venezuela an. Besonders erfreut ist man beim Branchenverband DRV darüber, dass viele Gäste auch innerhalb der betroffenen Länder Ziele wählen. Wir registrieren viele Umbuchungen von der thailändischen Westküste nach Ko Samui und Hua Hin in dem von der Flutkatastrophe nicht betroffenen Golf von Thailand, sagt DRV-Sprecher Jüngert. Die Touristen nehmen also keineswegs Abstand vom gesamten asiatischen Raum.