M eine Architektur ist nur Fassade", sagt Johann Feldmeier. "In meinem Beruf muss ich ein bisschen schizophren sein", sagt Wilfried Turk. Feldmeier und Turk sind Architekten. Von der Arbeit des anderen verstehen sie jeder so gut wie nichts.

Johann Feldmeier, 48, kann sich sein Werk jeden Abend im Fernsehen anschauen. Auf dem Bavaria-Film-Gelände in München hat er 4500 Quadratmeter Außenkulisse gestaltet: Häuserfassaden, eine Fußgängerzone, sogar den Stadtbrunnen neben den Kaffeetischen. Alles für die Daily Soap Marienhof, die in der ARD ausgestrahlt wird.

Wilfried Turk, 63, hat sein Leben lang Kindergärten errichtet, Alten- und Behindertenheime. Er hat sich in seinem Beruf auf Sozialbauten spezialisiert. "Die Menschen, für die ich baue, sind eine verdammt schwierige Klientel", sagt er. Seit kurzem ist er nur noch stiller Teilhaber in seinem Bremer Architektenbüro. Zuvor wurden er und seine Partner noch einmal vor eine harte Aufgabe gestellt, als sie in Stendal ein Berufsbildungswerk für verhaltensgestörte Jugendliche bauen sollten. Das Gebäude musste so konzipiert werden, dass Jugendliche nicht zu Randalemachen provoziert werden. Die Lösung: Anstatt eines großen Klotzes baute Turk für jeden Ausbildungszweig ein eigenes Häuschen. "So hat das Ganze eine warme Atmosphäre. Die Jugendlichen tragen Verantwortung. Denn jede Gruppe muss sich um ihr eigenes Gebäude kümmern."

Johann Feldmeiers wichtigste Aufgabe ist es, dass seine Bauten die richtige Wirkung im Fernsehen haben. Seine Projekte schaut er sich wie mit einem imaginären Kameraauge an: Der Anstrich der Fassaden muss von der Farb-Temperatur her zusammenpassen. "Ich darf zum Beispiel kein sehr dunkles Haus neben ein ganz helles stellen. Sonst haut das mit den Blenden nicht hin." Feldmeier kümmert es nicht, was unter der Fassade seiner Bauten liegt. "Das überlasse ich alles den Statikern. Mein Job ist die Kreativität."

Bau-Statik beschäftigt Turk bei jedem Projekt. Ein Architekt, so sagt er, müsse sich bei seiner Arbeit zweiteilen. Auf der einen Seite gehe er mit der Akribie eines Buchhalters an die Gebäude heran und berechne jedes Detail genau. "Andererseits sollten wir aber auch in der Lage sein, das alles hinter uns zu lassen und einfach herumzuspinnen." Im Vordergrund seines Schaffens steht der Mensch. Turk versteht sich als Dienstleister, der funktional und so neutral wie möglich baut. Die Bewohner sollen ihre Räume selbst gestalten dürfen. Er dagegen nimmt sich bei seiner Architektur zurück. "In Altenheimen leben Bewohner oft bis zu ihrem Lebensende. Da kann ich die doch nicht, nur weil ich kreativ sein will, vor unmögliche Wohnkonstruktionen stellen. Meine Architektur soll lange halten. Dafür kann sie ruhig ein bisschen gewöhnlich sein."

In Feldmeiers Bauten halten sich die Schauspieler nur so lange auf, wie es der Dreh verlangt. Johann Feldmeier legt keinen Wert darauf, dass sein Schaffen für die Ewigkeit gemacht ist. "Ich modelliere die Objekte wie eine Skulptur, nicht wie Architektur", sagt er. "Das wichtigste ist, dass meine Werke nicht langweilig sind."