Berlin

Gelungener Jahreswechsel für die Union: keine Neuigkeiten. Die Flutkatastrophe in Asien und das Krisenmanagement der Bundesregierung ließen keinen Raum für Nachrichten aus den Reihen der Konservativen. Die vorweihnachtlichen Hiobswochen der Partei noch in Erinnerung, war das das Beste, was ihr zum neuen Jahr passieren konnte.

Das wird nicht reichen. Denn der CDU bleibt nicht viel Zeit, sich auf die beiden Schlüsselwahlen im Februar in Schleswig-Holstein und im Mai in Nordrhein-Westfalen einzustellen. Ob es der Partei gelingt, ihren Abwärtstrend zu stoppen und die beiden rot-grünen Landesregierungen zu verdrängen, könnte immerhin als Signal dafür gelten, ob die Union auch im Bund ernsthaft Chancen hat. CDU und CSU werden sich etwas einfallen lassen müssen - möglichst schon auf ihren Klausurtagungen in Kreuth und Kiel. Zu krass ist der Absturz der vergangenen Monate, und zu klar ist die Hauptursache des Niederganges erkennbar: der innerparteiliche Streit.

Gelegentlich waren es wirklich inhaltliche Differenzen, die den Streit begründeten, häufiger aber suchten die persönlichen Animositäten nur den passenden Austragungsort. Einer ohnehin nicht sonderlich politikbegeisterten Öffentlichkeit sind solche Nuancen jedoch ziemlich egal. Es bleibt der Eindruck einer zerstrittenen Führung. Deren Mitglieder trauen einander nicht zu, was ihnen die Wahlbevölkerung zutrauen soll: die Führung des Landes.

Die Antrittsparole des neuen Generalsekretärs Volker Kauder jedenfalls, die CDU sei eine verschworene Gemeinschaft von Freunden, hat mit den Verhältnissen in der Partei nichts zu tun. Voller Skepsis und Misstrauen beäugen die ambitiösen Ministerpräsidenten Koch, Wulff und Müller ihre Vorsitzende Angela Merkel. Diese hat selbst auch nie anders auf ihre Generationskollegen aus dem Westen geblickt. Nur erfordert der Erfolg der Union vertrackterweise spätestens jetzt das Bündnis der Landesfürsten mit der Vorsitzenden. Wenn es der Führung der Union nicht gelingt, die Egoismen der eigenen Karriereplanung für den Machtwechsel 2006 zurückzustellen, wird der nicht kommen. So einfach ist das. Fast naiv in seiner ganzen Schläue erscheint dagegen das Kalkül, mit der dritten Niederlage gegen Schröder beginne für die Jungmänner der CDU die Zukunft. Eine vage Aussicht.

Und neben den Unwägbarkeiten des Wahljahrs 2010 oder der Verpflichtung auf den Erfolg der eigenen Partei gibt es noch ein anderes Argument für ein Bündnis an der Spitze: Fairness. Die Vorsitzende hat Anspruch auf Unterstützung - oder auf die offene Kampfansage. Nur hinhaltende Kritik, die die offene Auseinandersetzung scheut und doch ihre zermürbende Wirkung tut, ist nicht länger legitim. Legitim aber wäre es für den, der sich mehr zutraut, Angela Merkel nach einer Niederlage in Schleswig-Holstein oder NRW den Kampf anzusagen und seinen Anspruch offen zu formulieren. Stützen oder Stürzen - das ist die Alternative, die sich den Unionsführern stellt. Nimmt man die Abwärtsspirale der letzten Monate zum Maßstab, werden sie sich bald entscheiden müssen.