Am Mittag des 17. November 2004 stellten fünf gut gelaunte deutsche Wirtschaftsprofessoren das Jahresgutachten des Sachverständigenrats vor.

Erstmals saß mit Beatrice Weder di Mauro eine Professorin unter ihnen, der Vorsitzende Wolfgang Wiegard war nicht ganz so ausschweifend wie im Jahr zuvor, und der zweite Neuling, Peter Bofinger, hielt sich mit Kommentaren zurück. Bert Rürup und Wolfgang Franz, zwei alte Hasen, blickten wohlgefällig in die Runde. Die Fünf Weisen, weiser geht's nicht.

Heute speien einige der Herren Gift und Galle. Professor Wiegard will den Vorsitz der Runde abgeben und dem Rat den Rücken kehren. Seine Begründung: Kollege Bofinger habe das Klima verdorben, nichts Vernünftiges zum Gutachten beigetragen und sich stattdessen über Themen ausgelassen, von denen er erwiesenermaßen nichts verstehe. Wenn es auch nicht der erste Krach im Rat ist: So offen wurden Kontroversen und Animositäten dort noch nie ausgetragen.

Zunächst geht es dabei um kontroverse Charaktere. Wiegard ist primär Wissenschaftler und dann Verkünder politischer Wahrheiten. Bofinger dagegen, der von den Gewerkschaften benannte Neuling, trug seine abweichenden Meinungen gezielt in die Öffentlichkeit und lieferte ein Pamphlet zur eigenen Profilierung nach. Doch Wiegard ist nicht minder über die Hartnäckigkeit erbost, mit der Bofinger gegen das angebotspolitisch orientierte Konzept der Ratsmehrheit Sturm lief - und da geht es um die Sache. Heute muss in Deutschland ein Ökonom, der keynesianisches Gedankengut verbreitet, mit dem Bannstrahl der Mehrheit rechnen. Das bekam Gustav Horn, der Konjunkturchef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), schmerzlich zu spüren - das ging Peter Bofinger nicht anders, auch wenn dieser die Konfrontation suchte.

Dabei ist das ein Streit von gestern. Außerhalb der rein deutschen Debatte sind bei Keynes entlehnte politische Ansätze absolut salonfähig. Ein hoch gelobter Ökonom wie Dennis Snower, der neue Chef des konservativen Instituts für Weltwirtschaft in Kiel, verwahrt sich mit Nachdruck dagegen, in die Anti-Keynes-Schublade gesteckt zu werden. Und selbst im Sachverständigenrat reagieren Bert Rürup und Beatrice Weder di Mauro mit Unverständnis auf die Dogmatisierung. Wo ist der Weise, der die Weisen zur Räson bringt?