Und es gibt ihn doch, den Gegenbegriff zur Säkularisierung: Konfessionalisierung. Der Historiker Harm Klueting nennt die Jahre 1525 bis 1648 das Konfessionelle Zeitalter. Dieses hat uns die Hexenverfolgung und die Religionskriege beschert. Wollen wir hoffen, dass uns keine neuerliche Konfessionalisierung bevorsteht.

GUNHILD LAMBRECHT, SCHWAIKHEIM

An Weihnachten werden die Medien erfreulich religiös. Auf der ersten Seite der ZEIT wird über die Zumutung des Glaubens reflektiert. Die Zumutung des christlichen Glaubens ist aber weder der Glaube an die Trinität oder die Auferstehung Jesu (Bernd Ulrich) noch der Glaube an Wunder (siehe die Besprechung zum Buch Jesus des Theologen Klaus Berger), die man als zeitbedingte Deutungen verstehen kann, sondern die Verkündigung der Gleichwertigkeit aller Menschen, bildlich die Botschaft vom Reich Gottes, in dem Friede, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung herrschen. Diese Botschaft ist zuerst dem niedrigsten Stand im Judentum, den Hirten, verkündigt worden. Das war eine Sensation. Die Kirchen und Herrscher aller Couleur haben es verstanden, dieser radikalen Botschaft, die in der Bergpredigt dokumentiert ist, unter anderem mit Kirchengesetzen, institutioneller Sündenvergebung, Rechtfertigungslehre, Vertröstung auf das Jenseits den Stachel zu ziehen und die Herrschaft von Menschen über Menschen aufrecht zu erhalten.

Damit wurde das real existierende Christentum wieder eine unaufgeklärte, letztlich wenig soziale Religion wie alle andern Religionen auch. Der Theologe Alfred Loisy, der exkommuniziert wurde, hat um 1900 gesagt: Jesus hat das Kommen des Reiches Gottes verkündigt, und gekommen ist die Kirche.

Der Kapitalismus, der auf dem Nährboden des Christentums entstanden ist, manifestiert den Verrat an der Botschaft Jesu aufs deutlichste.

GERHARD HENZLER, BAMBERG

Es ist anrührend, Frau Rückert, wie Sie den Glauben in Ihrem säkularen Umfeld vertreten. Und es ist gut nachzuvollziehen, wie Sie ihn im Vorbild Ihres Vaters fanden, der als frommer Mann heiter sterben konnte. Und doch habe ich den Eindruck, dass Ihr Glaube und der Ihres Vaters verschiedenen Kategorien angehören. Glaube ist viel mehr als die Hoffnung, besser zu leben und dereinst ein bisschen leichter zu sterben. Ihr Vater war sich seiner Hoffnung offenbar bis zum Tode ganz gewiss. Wer dagegen damit rechnet, dass das, woran er glaubt, am Ende doch eine Illusion sein könnte, der verwechselt Glauben mit Fürwahrhalten. Ob für einen solchen Glauben jemand in der Arena gestorben wäre?