Sri Lanka schien gerade fast alles richtig zu machen. Zwar stockte der Friedensprozess zwischen der Regierung und den tamilischen Rebellen im Nordosten der Insel, aber der Großteil der Einheimischen behandelte den Bürgerkrieg wie ein Geschwür, das keine tödliche Gefahr mehr war. Die Insel wollte leben. Sie verdiente ihr Geld mit Tee und Gewürzen, und reich wollte sie mit Tourismus werden. Sie baute Golfplätze, eine Autorennstrecke, offerierte Naturerlebnisse, Strandurlaub und Kultur. Zwei Millionen Touristen bis 2010 waren das Ziel, das entspricht einem Zehntel der Gesamtbevölkerung. Über eine halbe Million Besucher waren es im vergangenen Jahr.

Hiran Cooray hatte ich im Oktober 2003 bei einem Diner im Hotel Mount Lavinia unweit von Colombo kennen gelernt. Es gab Seafood und grenzenlosen Optimismus. All die unbebauten Strände im Osten, schwärmte Cooray, dessen Unternehmen Jetwing zwölf Hotels auf der Insel besitzt. Sämtliche großen Reiseveranstalter waren gerade dabei, ihre Claims abzustecken.

Drei Tage nach der Katastrophe telefonierte ich mit ihm. Er klang eigentlich wie immer, vielleicht etwas überdreht. Doch bei allem Zweckoptimismus und Marketing schwang Hilflosigkeit mit, die er aber noch nicht bereit schien zu akzeptieren.

Mr. Hiran Cooray, wo sind Sie gerade?

Ich bin im Auto auf dem Rückweg von Galle im Südwesten nach Colombo. Die Straßen sind voll, Autos, Lastwagen, Fußgänger, mit Habseligkeiten bepackte Fahrräder. Jene, die alles verloren haben, machen sich in der einen Richtung auf zu Verwandten und Freunden, die verschont geblieben sind. Jene, die verschont geblieben sind, machen sich in der anderen Richtung auf, um in den Katastrophengebieten zu helfen. Man sieht fast keine Leichen mehr. Und die Trauer wird langsam stumm.

Auf Sri Lanka stehen über 213 Hotels. Wie viele wurden von der Katastrophe heimgesucht?