Es liest sich wie ein stolzes Bekenntnis: Wir sind die Nummer Eins in Deutschland bei der Schaffung von neuen Arbeitsplätzen. Von insgesamt 151 000 Stellen entstanden 45 000 in den vergangenen drei Jahren - davon 20 000 in Deutschland. So druckt es der Lebensmitteldiscounter Lidl im Dezember auf ganzseitige Anzeigen in den großen Tageszeitungen. Die Botschaft ist klar: Lidl schafft Jobs. Aber um die Frage, was das für Jobs sind, wird heftig gestritten. Zur gleichen Zeit nämlich veröffentlicht die Gewerkschaft ver.di eine Schwarzbuch Lidl genannte Zusammenstellung schwerer Vorwürfe.

Beschäftigte würden systematisch unter Druck gesetzt und des Diebstahls verdächtigt, müssten ständige Kontrollen durch Vorgesetzte fürchten - bis hin zur Durchsuchung ihrer Privatsachen. Von Angst am Arbeitsplatz und Missachtung von Rechten ist die Rede, auch von systematischem Lohndumping. Wer sich beschwert, werde eingeschüchtert und zur Kündigung gezwungen. Ich hätte in dieser Situation sogar mein Todesurteil unterschrieben, wird eine anonyme Exverkäuferin zitiert.

Ver.di-Vorstandsmitglied Franziska Wiethold sagt, mit dem Buch wolle sie Lidl in den Schwitzkasten nehmen und zur Kooperation zwingen. Eines gelingt ihr jedenfalls: Das bis dahin äußerst verschwiegene Unternehmen reagiert, schaltet Anzeigen, bestreitet die Vorwürfe und erklärt, man verletze niemals die Fairness. Der Beginn eines Dialogs zwischen Lidl und ver.di?