Ich bin eine Frau, die sich und ihre Freundinnen nicht als ratlos oder wutlos bezeichnen kann. Als jetzt 29-Jährige habe ich die Girlie-Zeit auch erlebt und habe mich vor allem mit der Einstellung identifiziert: Girlies müssen das Leben nicht zu ernst nehmen und können tun und erreichen, was sie wollen - und ich bin immer noch dabei, dies mit meinen Freundinnen in die Tat umzusetzen.

Wir leben vor allem als starke Frauen, die durch eine lange Ausbildungszeit vielleicht spät Kinder kriegen, aber ganz genau wissen, dass sie nur mit einem Mann zusammenziehen, wenn ein Putzplan nach Punkten in der gemeinsamen Wohnung hängt. Wir nutzen die Zeit, die uns durch die geteilte Haushaltsführung bleibt, uns die besten Stellenangebote aus dem Internet zu fischen, um sie uns per E-Mail zuzuschicken. Wir beraten uns gegenseitig, was man wie steuerlich absetzen kann.

Das Leben ist sicher weniger sorglos als 1994. Dafür stehen uns mehr Möglichkeiten offen: Immer mehr Firmen wollen auch weibliche Mitarbeiter an ihr Unternehmen binden und ihnen auch nach einer Schwangerschaft die Chance geben, weiter für sie zu arbeiten. Besonders durch das Internet kann man viel leichter Frauennetzwerke bilden. Und es gibt eben auch mehr Frauen, die studieren oder etwas lernen konnten.

Natürlich weiß man heute nicht mehr, was danach kommt - dafür macht man sich eben früher Gedanken über Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Natürlich ist es unsicher, ob man einen Job behält, wenn man ihn hat - aber dann lohnt es sich gerade, das Geld auf den Kopf zu hauen.

Man kann auch 2005 noch gut mit der Girlie-Idee leben, dass Mädchen das tun können, was sie wollen - am Ende wird alles gut sein! Vielleicht noch besser - denn jetzt sind wir Anwältinnen, Ärztinnen, Naturpädagoginnen und Journalistinnen, die ihren Traum verwirklichen können: unabhängig zu sein und beruflich das zu tun, was wir wollen. Und trotzdem als sanfte Frau einen Mann anhimmeln zu können, der ein schnelles Auto fährt und kocht, wenn man kaputt aus der Firma kommt.

HEIKE GROSSE, BERLIN