Ein Frühwarnsystem wie im Pazifik wird es bald im Indischen Ozean geben. Nach Indien und Thailand kündigte diese Woche Indonesien entsprechende Pläne an. Auch die UN wollen aktiv werden. Ende 2005 soll "ein einfaches, aber wirksames" Warnsystem in Betrieb gehen.

Die USA begannen bereits 1948 mit dem Aufbau des Pacific Tsunami Warning Center (PTWC) auf Hawaii. Mehr als zwanzig Staaten sind heute daran beteiligt. Das System basiert auf den Echtzeitdaten von rund 150 Stationen weltweit, die Erschütterungen des irdischen Untergrunds messen und lokalisieren. Hinzu kommen die Werte von mehr als hundert Wasserstandsmessern im Pazifik. Deren Signale sind schwer zu deuten. Aus Žnderungen des Wasserpegels lässt sich kaum ableiten, was die Wellen verursacht, welche Gebiete gefährdet sind und welche Höhe ein Tsunami an der Küste haben wird.

Da das System in drei von vier Fällen Fehlalarm auslöste, entwickelten die National Oceanographic and Atmospheric Administration (NOAA) und das PTWC Drucksensoren, die mit einer 360 Kilogramm schweren Ankerplatte am Ozeanboden installiert sind und einen Tsunami direkt messen können. Denn anders als windgenerierte Wellen wird die Energie bis hinab zum Meeresboden weitergeleitet: Tsunamis haben stets Bodenkontakt. Den Druck, den sie auf den Untergrund ausüben, nehmen die Sensoren wahr; Signale gelangen daraufhin zu einer 4,2 Tonnen schweren Boje, die mit einem Nylonseil am Ozeanboden verankert ist. Via Satellit gelangen die Informationen nach Honolulu. Dort errechnet ein Computer mit Hilfe von Unterwasser-Landkarten, Strömungsmodellen und Daten früherer Wellen, wo der Tsunami als tödlicher Riese über die Küste hereinbrechen könnte.

Die erste Alarmanlage auf dem Meeresboden wurde 1997 vor der Küste Alaskas im Aleutengraben ausgelegt. Sechs "Tsunameters" oder Tiefsee-Sensoren haben die Forscher auf dem Meeresboden bis heute installiert. Auch der Indische Ozean mit seinen 10.000 Kilometern Küste könnte im Nu bestückt werden. Costas Synolakis, Tsunami-Forscher der Universität von Südkalifornien in Los Angeles, ist sich sicher: "Es genügen zwei Bojen."