Reisen ohne Auto erfordern einen so hohen organisatorischen Aufwand, dass sich selbst der ans Steuer setzt, der auch mal Ferien ohne den eigenen Wagen machen würde. Deshalb fahren drei Viertel aller Deutschlandurlauber mit dem Auto in den Urlaub. Außerdem sind autofreie Angebote einfach viel zu wenig bekannt.

Doch das wird sich in diesem Jahr ändern. Gleich mehrere Initiativen versuchen, den autofreien Urlaub publik zu machen. Allen voran der ökologische Verkehrsclub Deutschland (VCD), der Verbraucherverband, der sich für die nicht motorisierten Verkehrsteilnehmer stark macht. Mitte Januar erscheint die 64 Seiten starke Broschüre Reiselust. Sie stellt zehn deutsche Modellregionen von der Uckermark bis zum Frankenwald vor, die sich besonders für sanften Tourismus eignen. Die Präsentation der Zielgebiete führt von der Beschreibung der Sehenswürdigkeiten über Hinweise zur Anreise bis zu nützlichen Adressen und Telefonnummern (fünf Euro, anzufordern unter Tel.

02962/84 58 65 oder bestellungen@vcd.org). Vor allem aber werden Ohne-Auto-Packages zum Pauschalpreis beschrieben. Die Region Vogelsberg zum Beispiel lädt zu einer einwöchigen Radtour auf dem vorbildlichen Vulkanradweg ein, bei der die Tagesetappen jeweils auf einem gastfreundlichen Bauernhof enden. Auf der Seite www.reiselust-deutschland.de finden sich ebenfalls die Arrangements.

Regine Gwinner, die Projektleiterin beim VCD, ist erstaunt über die große Resonanz, die ihre Initiative bei Ferienregionen zwischen Schwarzwald und Mecklenburger Seenplatte erzeugt hat. Wir konnten uns die Destinationen auswählen, die es mit der sanfttouristischen Wende wirklich ernst meinen, die das Thema also nicht nur als eine von vielen Marketinglinien betrachten, sagt sie. Das Bedürfnis, sich über Angebote für Zug- und Busanreisende zu profilieren, sei jedenfalls deutlich angewachsen. Vor wenigen Jahren hätten die Touristiker die nicht motorisierten Gäste lediglich als Nischenpublikum betrachtet, für das sich keine Werbung lohnt.

Die Gründe für das plötzliche Interesse sind von Modellort zu Modellort verschieden. In einem Fall droht die Region im Verkehr zu ersticken, man befürchtet, dadurch langfristig Gäste zu verlieren. In anderen Fällen, vor allem im Osten des Landes, sind die Urlauber noch gar nicht angekommen, nun sucht man händeringend nach einem Alleinstellungsmerkmal. Hauptursache aber ist fast überall der Zugzwang, den die Gäste erzeugen. Immerhin wählen fünf Millionen Deutsche Bus oder Bahn als Verkehrsmittel für die Ferien. Und die Zahl steigt kontinuierlich an. Denn zu diesen Urlaubern gehört neben der wachsenden Gruppe der so genannten Neuen Alten die deutlich zunehmende Klientel der Aktivurlauber, die ihre Rad- und Wandertouren unabhängig vom Auto planen möchten. Allein im Bereich Radreise stiegen die Zahlen 2004 um 12,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr an. Entsprechend wächst in klassischen Wander- und Radlerregionen die Nachfrage nach entsprechenden Angeboten.

Über diesen zunehmenden Nachfragedruck freut sich auch Karl Reiner. Der Geschäftsführer des Netzwerks für europäischen Tourismus mit sanfter Mobilität (NETS, www.soft.mobility.com), das die Interessen von Organisationen bündelt, die sich um umweltverträgliche Reiseformen bemühen, hat einen Wettbewerb ausgeschrieben, bei dem das innovativste Bahnangebot der Jahre 2004/2005 gesucht wird. Melden können sich Veranstalter ebenso wie Regionen, die es in vorbildlicher Weise ermöglichen, in den Ferien sanft mobil zu sein. Bewertet wird die Kundenfreundlichkeit des Angebots, aber auch die Akzeptanz. Die Preisträger sollen im März auf der ITB vorgestellt werden.

Auf Freizeitgestaltung generell bezogen ist das Projekt einsteigen: naturfreundlich unterwegs, der Naturfreunde Deutschland (www.naturfreunde.de). Bis April 2005 wollen sie mehrere gute Beispiele für einen umweltbewussten, erlebnisintensiven Urlaub präsentieren: Im Mittelpunkt steht jeweils eines der 468 deutschen Naturfreundehäuser, Ferienheime in allen Teilen Deutschlands. Es geht dabei nicht nur um einen Abholservice, den die meisten Häuser schon bieten, vielmehr sollen Angebote gemacht werden mit ausgearbeiteten Touren und Ausflügen, Fahrrad- und Bollerwagenverleih, Rabatt für die Anreise ohne Auto.