Bei den Gegnern der Einführung von Bachelor und Master ist ein Argument derzeit besonders beliebt: Amerikanische Hochschulen, so heißt es, würden die neuen Abschlüsse möglicherweise nicht anerkennen. Und tatsächlich ist die Skepsis gegenüber den europäischen Bachelor-Konkurrenten in den USA weit verbreitet.

Doch die Skepsis der Amerikaner ist offenbar weniger akademischer, sondern stärker wirtschaftlicher Natur. Das postsekundäre Bildungssystem in den USA ist ein Geschäft. Studierende, vor allem ausländische Studierende, sind Kunden, die - zum Teil erhebliche - Gebühren für die Bildungsangebote zahlen müssen. Worst case für Universitäten wie Harvard oder Boston ist es, wenn die Kunden plötzlich ein anderes Angebot interessanter finden. Doch genau das passiert zurzeit. Eine Umfrage amerikanischer Bildungseinrichtungen belegt einen dramatischen Rückgang chinesischer Teilnehmer an Graduierten-Studiengängen. Fast die Hälfte aller befragten amerikanischen Hochschulen beklagt eine Abnahme der Immatrikulation ausländischer Studierender.

Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Zum einen werden viele ausländische Gäste von den verschärften Einwanderungsbestimmungen abgeschreckt. Zum anderen haben die meisten Hochschulen ihre Gebühren in den vergangenen Jahren drastisch erhöht, auch in Reaktion auf den Rückgang staatlicher Unterstützung.

Die internationale Studierendengemeinde findet eine Alternative in Europa.

Allein in Deutschland ist bereits ein Viertel des Studienangebots auf Bachelor- und Master-Studiengänge umgestellt. Bis 2010 soll mit dem Bologna-Prozess ein einheitlicher europäischer Hochschulraum für die Vergleichbarkeit der Studienleistungen und dadurch auch eine höhere Mobilität entstehen. Damit wird Europa noch attraktiver für Studienbewerber. Die Skepsis der Amerikaner gegenüber der neuen Konkurenz kann daher niemanden überraschen. Als Argument gegen die Einführung allerdings ist sie nur bedingt geeignet.

Der Autor ist der Generalsekretär der Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung