Und auch diese Woche geht es um Mord und Totschlag. Diesmal allerdings nicht in der sagenhaft verklärten Form wie vergangene Woche, als die böse Tat auch gleich in angemessener Form bestraft wurde.

Nein: Die grauenhafte Tat, die sich auf dieser heutigen Insel ereignete, ist historisch belegt - und bis dato ungesühnt.

Es war im fünften Jahr eines furchtbaren Krieges, eben war das Bündnis zwischen zwei der kriegführenden Mächte zerbrochen. Die Insel war von Soldaten eines der beiden Länder besetzt - Soldaten, die nur aus dem Westen über das Meer hatten kommen müssen. Nun aber wurden diese Soldaten von ihren ehemaligen Waffenbrüdern, die zu Feinden geworden sind, interniert und systematisch ermordet, Heerführer wie einfache Soldaten, Männer, die Widerstand leisten wie solche, die sich bereits ergeben hatten. Von insgesamt 12.000 Soldaten fielen 4.000 im Kampf, 4.000 wurden erschossen und 4.000 überlebten.

Da fällt es schwer, zu erzählen, dass die Insel auch voller landschaftlicher Schönheit sei, dass sie einst zum Reich einer der berühmtesten Figuren der Weltliteratur gehörte und dass nach neueren Forschungen ein berühmter Schiffbrüchiger, der später (laut Legende) auch eines gewaltsamen Todes sterben sollte, hier strandete - und nicht auf einer Insel weiter südlich, die heute ein eigener Staat ist.

Rafi Reiser

Auflösung aus Nr. 1:
Die Sage von den Königen Vise und Vätte erzählt man sich auf der schwedischen Insel Visingsö im Vätternsee. Durch ihn führt der Götakanal. Für die Anregung zu diesem Inselrätsel danke ich der ZEIT-Leserin Gisela Reid