Kolumbus war besessen von der Idee, den westlichen Seeweg nach Indien zu finden. Sein Verdienst wird oft fälschlich darin gesehen, dass er als Erster die Kugelgestalt der Erde entdeckte und deshalb auf die Idee kam, sozusagen "hintenrum" die asiatischen Länder zu erreichen. Der Landweg galt als von den Muslimen versperrt. Aber das stimmt nicht. Das Wissen, dass die Erde rund ist, war damals Allgemeingut, und insbesondere die Portugiesen kannten den Umfang der Erde recht genau. Läge zwischen Europa und Asien tatsächlich nur Wasser und nicht Amerika, so betrüge die Distanz 20000 Kilometer, ein unmögliches Unterfangen für damalige Schiffe. Kolumbus dagegen verschätzte sich gewaltig und glaubte, nur 4000 Kilometer zurücklegen zu müssen. Seine fulminante Entdeckung von 1492, als er auf der Bahamas-Insel San Salvador landete, beruht also auf einem großen Irrtum.

Ein Irrtum, von dem Kolumbus auch in seinen verbleibenden 14 Lebensjahren nicht abrückte, obwohl die Indizien dagegen immer zwingender wurden. Er unternahm drei weitere Reisen gen Westen und erkundete dabei die Küste Mittel- und Südamerikas: keine Spur von Japan oder Indien. Andere Seefahrer erforschten zu Kolumbus’ Lebzeiten Nordamerika, Vasco da Gama umsegelte das Kap der Guten Hoffnung und fand den östlichen Seeweg nach Indien. Für Kolumbus aber durfte nicht sein, was nicht sein konnte. Seine endgültige Widerlegung durch die Weltumseglung Magellans im Jahr 1522 erlebte er nicht mehr. Christoph Drösser

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