Daran sieht man, dass die Frage nach der Politik in einem Bereich zwischen Wissen und Glauben angesiedelt ist. Sie hat insofern mit Wissen zu tun, als es um plausible Vorschläge zur Regelung der öffentlichen Angelegenheiten und zur Ordnung der sozialen Welt geht. Der Glauben kommt aber sofort ins Spiel, wenn die Überzeugungskraft dieser Vorschläge zur Debatte steht. Die Frage, wie wir dem Leiden anderer Aufmerksamkeit schenken und was wir gemeinsam tun sollten, um ihnen Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, rührt immer an ein Moment des Nichtwissens in unseren Überzeugungen. Wir glauben an den Ursprung der Familie, die Macht des Kollektivs, den Gewinn des öffentlichen Disputs oder an die Unmöglichkeit, einen Konsens ohne Ausschluss zu etablieren. Denn man kümmert sich nicht als Beobachter eines Geschehens um die allgemeinen Belange, sondern als Teilnehmer einer gemeinsamen Welt, die so oder anders aussehen kann.

Die Wiederkehr des Politischen wäre dann Ausdruck der Bereitschaft, sich anders aufs Spiel zu setzen. Nicht der Rückzug ins Gehäuse der kleinen Lebenswelten wäre die Reaktion auf die Zeichen wirtschaftlicher Schwäche und sozialer Spannungen, sondern das Herausstellen ins Offene und Öffentliche. In der Politik, das scheinen diese jungen Leute von heute zu spüren, berühren sich Wissen und Glauben.

*Der Soziologe Heinz Bude lehrt an der Gesamthochschule Kassel und leitet den Bereich "Die Gesellschaft der Bundesrepublik" am Hamburger Institut für Sozialforschung. Er schreibt künftig regelmäßig für die ZEIT