Dies sind zwei oder drei Gedanken zum soeben erfolgten Jahreswechsel. Viele Menschen nehmen sich zum Jahreswechsel etwas vor. Sie fassen Vorsätze. Mein Vorsatz: Ich möchte aufhören, Milchtüten in den Kühlschrank zu stellen.

Mein Milchtütenverhalten stößt bei den Mitmenschen auf wachsende Kritik. Tagelang wiegen sich die anderen Kühlschrankbenutzer in der Illusion, der Kühlschrank berge Milchvorräte, die einen Vergleich mit den Ölreserven der arabischen Halbinsel aushalten, dann überwältigt sie Milchgier, und sie greifen, getrieben von unaussprechlichen Füllefantasien sowie ihren ausgedörrten Kehlen, nacheinander alle sieben oder acht Tüten, die aber ausnahmslos leer sind. Und schon gibt es Streit. Das kommt, weil ich die Milchtüte immer schüttele und denke, aha, gluck, gluck, da ist noch ein Schlückchen für Notzeiten drin, in Wirklichkeit aber findet das Gluckern lediglich in meinem Kopf statt, es ist offenbar eine lactophile Wunschvorstellung oder Geräuschhalluzination. Warum ich aber tagelang immer und immer wieder eine neue Milchtüte aufmache, statt das vermeintlich letzte Schlückchen in der alten Tüte wegzumachen, weiß ich auch nicht. Es ist aber eine spezifisch männliche Verhaltensweise.

Spezifisch weiblich ist es, bei Restauranttischen Umstände zu machen. Ein Mann geht in ein Restaurant hinein, schaut, setzt sich, isst auf und fertig. Ich war mit einer Frau essen. Erst prüfte sie mehrere Minuten lang die Sicht, die verschiedene Tische zu bieten hatten, dann setzte sie sich hin, sagte aber nach einer Minute, nein, der Tisch ist doch nicht gut, setzte sich um, wieder eine Minute später sagte sie, nein, der Tisch da in der Ecke ist noch eine Spur besser, und wenn nicht alle Männer im Restaurant schweigend den Mittelfinger in ihre Richtung gehoben hätten, wäre sie ein drittes Mal aufgestanden. Deswegen haben die jungen Frauen von heute solche Probleme bei der Partnersuche. Männer unterscheiden sich in dem Komfort, den sie bieten, sogar noch stärker als Restauranttische.

Ich habe auch im Fernsehen beobachtet, dass Fernsehmänner bei Frauen im Konfliktfall immer das Schimpfwort "Du Schlampe!" verwenden. Während es bei mir im Gehirn gluckert, sagt im Gehirn der deutschen Drehbuchautoren eine Stimme pausenlos: "Du Schlampe!" Ich habe, was Kopfgeräusche betrifft, offenbar das bessere Los gezogen. Dieses Schimpfwort kommt aber nur im Fernsehen vor, niemals in der freien Natur, wie ja auch niemals ein Mensch, nicht einmal ein Betrunkener, im Gespräch sagt: "In den Niederungen kommt es stellenweise zu Glatteis."

"2004 wurde die Formulierung ›Du Schlampe!‹ in der ARD häufiger verwendet als die Formulierung ›Stellenweise Glatteis‹." So lautet, in einem Satz, mein Fazit des Fernsehjahres 2004.

Nun ein politisches Fazit in einem Satz. Sowohl bei Angela Merkel als auch bei Jürgen Klinsmann wurde in kürzester Zeit dermaßen viel neues Personal eingesetzt, dass es dem deutschen Volk beim besten Willen nicht möglich ist, aus dem Stegreif zu sagen, ob die Person "Pofalla" ein neuer Spieler von Jürgen Klinsmann ist oder ein neuer Politiker bei der CDU. Dies waren zwei oder drei Gedanken zum Jahreswechsel.