Sachsen ist nicht Aceh. Und der Schaden, den die "Jahrhundertflut" der Elbe im August 2002 anrichtete, ist nicht mit den Zerstörungen vergleichbar, die der Tsunami in Asien verursachte. Dennoch gibt es Parallelen. Das Dringendste, was die Sachsen damals brauchten, war genießbares Wasser – und das verschaffte ihnen ein mobiles Wasserwerk. Es gehört dem französischen Konzern Veolia, der in Ostdeutschland diverse Wasserwerke betreibt. Nachdem die Elbe über ihre Ufer getreten war und ihr mit Öl, Fäkalien und Giften getränktes Wasser die Brunnen überspült hatte, brachte Veolia die kompakte Anlage aus Frankreich nach Ostdeutschland. Dort verschaffte sie den Menschen für einige Tage brauchbares Wasser.

Zwei solcher Anlagen hat Veolia nun nach Asien verfrachtet, zwei für Millionen Menschen. Schon vor der Katastrophe war die Wasserversorgung in einigen der von dem Tsunami heimgesuchten Regionen prekär. Rund 20 Prozent der Einwohner Sri Lankas und ein nahezu ebenso großer Bevölkerungsanteil Indonesiens hat laut Angaben des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen (UNDP) keinen dauerhaften Zugang zu unbedenklichen Wasserquellen. Hilfsorganisationen wie Care mühen sich schon lange um Abhilfe. Nun droht Millionen Menschen akute Wassernot.

Ohnehin sterben jedes Jahr mehr als fünf Millionen Menschen an Krankheiten, die durch mangelhafte Wasserversorgung verursacht werden. Allein Durchfallerkrankungen führen jährlich zu 1,8 Millionen Todesfällen; 90 Prozent davon sind laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) Kinder unter fünf Jahren. In Gebieten, die von Flutkatastrophen betroffen sind, ist nach Auskunft der WHO akute Wasserverseuchung der größte Risikofaktor. Durchfall, Typhus, Hepatitis und viele andere lebensgefährliche Krankheiten drohen, weil die Flutwelle Fäkalien in Brunnen und Wasserleitungen geschwemmt hat. Mehr als 50 Erreger fanden Mitarbeiter von Hilfsorganisationen im Wasser der besonders heftig getroffenen indonesischen Provinz Aceh. "Womöglich sterben jetzt ebenso viele Menschen an übertragbaren Krankheiten wie durch die Flutwelle", warnt der WHO-Krisenbeauftragte, David Nabarro.

Um das Desaster in Grenzen zu halten, mühen sich sämtliche Hilfsorganisationen darum, die Bevölkerung schnell mit brauchbarem Wasser zu versorgen. Doch wie kommt es zu den Menschen?

Zum Beispiel in Flaschen. In vielen Drittweltländern floriert das Geschäft mit abgepacktem Wasser. Ausgerechnet Indonesien ist mit jährlich vier Milliarden Litern sogar der weltweit siebtgrößte Markt dafür. Das Geschäft blüht, weil das Leitungswasser praktisch ungenießbar ist. Wer es sich leisten kann, konsumiert deshalb Mineralwasser.

Am Aufbau der indonesischen Flaschenwasserindustrie war Peter Ensenauer beteiligt, bis vor kurzem Chemiker bei Best Water Technology (BWT). Ensenauer meint, dass es zwar teuer, aber nicht unmöglich sei, die von der Katastrophe betroffene Bevölkerung vorübergehend mit lokalem Flaschenwasser zu versorgen – wenn es denn genügend Transportmöglichkeiten gäbe. Genau daran hapert es allerdings in Indonesien, weil das Erdbeben auch Straßen und Brücken zerstörte. Was jetzt besonders benötigt werde? "Hubschrauber", sagt Ensenauer.

Der 67-Jährige weiß aufgrund seiner langjährigen Tätigkeit bei BWT, wie aus schlechtem Wasser gutes Wasser wird. Zudem ist er als ehrenamtlicher Mitarbeiter des Technischen Hilfswerkes (THW) ein trouble shooter in Sachen Notwasser. Vielen durch Kriege und Naturkatastrophen in Not geratenen Menschen hat er schon zu genießbarem Wasser verholfen. Die Bonner Einsatzzentrale des THW hat Ensenauer in ihre Planungen einbezogen.

Wenn es gar nicht anders geht, helfen laut Ensenauer schon ein paar Tropfen Aluminiumsulfat und einer Chemikalie namens Natriumhypochlorit, um aus gefährlichem Wasser halbwegs genießbares zu machen. Helfer von Care haben damit begonnen, 100000 Fläschchen dieser Lösungen in Indonesien zu verteilen.