Die EU-Kommission hat die von Kuba angekündigte "Normalisierung" seiner diplomatischen Beziehungen zu allen Staaten der Europäischen Union am Montagabend begrüßt. Brüssel reagierte damit auf die Mitteilung des kubanischen Außenministers Felipe Pérez Roque, wonach seine Regierung die offiziellen Kontakte zur Vertretung der EU-Kommission in Havanna sowie zu den Niederlanden, Polen, der Slowakei und Tschechien wieder hergestellt habe. Diese vier Staaten hatten sich der Lockerung der von der EU gegen das kommunistisch regierte Kuba verhängten Sanktionen am stärksten widersetzt.2003 legte die EU die Beziehungen zu Kuba auf Eis, nachdem 75 Dissidenten in Havanna zu Haftstrafen bis zu 28 Jahren verurteilt worden waren. Im Dezember empfiehl die Arbeitsgruppe Lateinamerika des EU-Ministerrates, den Dialog mit Kuba wieder aufzunehmen und die diplomatischen Sanktionen aufzuheben – diese bedeuteten hauptsächlich die Einladungen von Dissidenten zu Empfängen der EU-Botschaften.Die spanische Regierung von José Luis Zapatero hatte sich seit mehreren Monaten innerhalb der EU für eine Normalisierung der Beziehung zum Castro-Regime eingesetzt. Im Oktober vergangenen Jahres sagte der spanische Außenminister Miguel Angel Moratinos, der fehlende Dialog mit Havanna würde weder dem Interesse der EU noch dem Demokratisierungsprozess in Kuba dienen. Spanische Zeitungen fügten hinzu, dass aus Sicht spanischer Unternehmen die Sanktionen dem Geschäft und den Investitionen auf der Insel schadeten.Die pragmatische Entscheidung der EU wird nicht von allen kubanischen Dissidenten begrüßt. Oswaldo Paya, der 2002 für sein pazifistisches Engagement für mehr Demokratie in Kuba den Sakharov-Preis vom europäischen Parlament erhielt, schrieb in einem öffentlichen Brief an José Manuel Barroso, Javier Solana und Josep Borrell im November: "Sollte man die gemeinsame europäische Haltung (gegenüber Fidel Castros Regierung) mildern oder aufgeben, würde es das Verlassen des kubanischen Volks bedeuten und die Willkür (in Kuba) fördern." Der peruanische Schriftsteller Mario Vargas Llosa wurde noch deutlicher. In einer Kolumne in El Pais am 31. Oktober bezeichnet er als "Komplizen oder traurigen Huren" (ein Augenzwinkern in Richtung des Titels des Buches von Gabriel Garcia Marquez, dessen Freundschaft zu Fidel Castro bekannt ist: "Erinnerung an meine traurigen Huren") die "Intellektuellen, Politiker oder Regierungen, die sich demokratisch nennen", die aber "den Interesse eines feindlichen Regimes der demokratischen Kultur im Westen dienen". "Wir dürfen nicht erlauben, dass das moderne und demokratische Spanien, das in vielerlei Hinsicht ein Vorbild für Lateinamerika ist, zu der traurigen Hure von Fidel wird", schrieb er weiter. Das europäische Gremium gab am Montag bekannt, dass der EU-Kommissar für Entwicklung und humanitäre Hilfe, Louis Michel, demnächst nach Havanna reisen werde, um den Stand der beiderseitigen Beziehungen zu erörtern.
(AXW, mit afp, dpa)