Der Pariser Club aus 19 Gläubigerstaaten berät heute über Soforthilfen für die durch die Flutkatastrophe in Südasien getroffenen Länder. Bei dem Treffen in Paris wollen Deutschland und Frankreich unter anderem ein Schuldenmoratorium für Indonesien und Sri Lanka durchsetzen. „Wir werden diesen Beschluss heute Morgen in Paris verabschieden“, sagte der französische Wirtschaftsminister Hervé Gaymard dem Hörfunksender RFI. Offenbar steht einer Einigung für einen Zahlungsaufschub nichts im Wege.

Indonesiens Außenminister Hassan Wirajuda sprach sich statt eines Zahlungsaufschubes für „Spenden“ der Pariser-Club-Staaten aus. Im Vorfeld der Beratungen hat sich Indonesien dafür eingesetzt, Hilfen nicht von Bedingungen wie Wirtschaftsreformen oder Schuldenabbau abhängig zu machen. Das Land müsste in diesem Jahr mit Schuldendiensten in Höhe von drei Milliarden Dollar rechnen – so viel wie nach Schätzungen der Regierung erforderlich ist, um sich von der Katastrophe zu erholen.

In Berlin kommt Bundeskanzler Schröder zur Koordinierung der Fluthilfe mit kommunalen Spitzenvertretern und mehreren Länderchefs zusammen. Bei dem Gespräch am Nachmittag im Bundeskanzleramt steht das Vorhaben deutscher Kommunen im Mittelpunkt, Partnerschaften mit betroffenen Städten oder Gemeinden der Katastrophenregion einzugehen. Der Kanzler hatte solche Partnerschaften kurz nach der verheerenden Flutkatastrophe angeregt.

Gestern in Genf zeigten sich die Vereinten Nationen optimistisch, dass die Staatengemeinschaft anlässlich der Flutkatastrophe in Südasien erstmals alle Hilfszusagen auch einlöst. „Wir werden heute möglicherweise zum ersten Mal in der Geschichte erleben, dass unsere angeforderte Soforthilfe (für die Opfer) auch vollständig abgedeckt wird“, sagte der Koordinator für die UN-Hilfen, Jan Egeland, bei einer Geberkonferenz, die die Unterstützung für die betroffenen Staaten organisieren soll. 977 Millionen Dollar habe die UN als Soforthilfe für die verwüsteten Gebiete am Indischen Ozean gefordert. Bislang seien 300 Millionen Dollar auch tatsächlich eingegangen. Die UN bitte die Geberstaaten um Einzelheiten dazu, wann und wie das versprochene Geld fließe. „Es ist wichtig, dass wir das Geld bald bekommen“, sagte Egeland „Hunger wartet nicht, Krankheiten warten nicht. Wir müssen schneller sein.“

Insgesamt haben private und öffentliche Spender mehr als sieben Milliarden Dollar für die Opfer der Flutwelle zugesagt. Das Geld soll zu großen Teilen auf mehrere Jahre verteilt werden, um den langwierigen Wiederaufbau der teilweise völlig zerstörten Küstengebiete zu finanzieren. Die UN versprach die Verwendung der Hilfen transparent zu organisieren. Sie war wegen undurchsichtiger Geschäfte im Rahmen des Öl-für-Lebensmittel-Programms für den Irak jüngst in die Kritik geraten. ( ZEIT.de, mit dpa, reuters, afp )