Man pflegt gemeiniglich den Schriftsteller, den man in der Kritik ein bisschen scharf mitgenommen hat, durch eine Anpreisung seiner Schönheiten wiederum versöhnt nach Hause zu schicken. Ich habe diese hier nicht nötig und brauche dem Hrn. Verfasser nur dieses wenige zu sagen: Hätte ich sein Produkt für das Produkt eines gemeinen Kopfes gehalten, so hätte ich mich gewiss der Last nicht unterzogen, es durchzuwaten.

Vorzüglich gefiel mir die erste Ode an die Begeisterung. Nur weiß ich nicht, wie ich das verstehen soll? "O Glücklicher! Auf seines Grabes Hügel / Steht weinend die Unsterblichkeit ." Die Dichtkunst, deucht mich, wollte er sagen. Denn die Unsterblichkeit hat ja da am wenigsten Ursache, zu weinen, wenn der Dichter stirbt … Und eine Anthologie aus Tobolsko! Auf was die Herren Entrepreneurs nicht alle verfallen! Auch den Norden verschonen sie nicht und beschmutzen das schuldlose Sibirien mit ihrer poetischen Dinte.

Eine strengere Feile wäre indes durchaus nötig gewesen und überhaupt unter den Gedichten eine strengere Wahl – aber das Buch musste eben dick werden und seine achtzehn Bögen haben, was kümmert es den Anthologisten, ob er unter Narzissen und Nelken auch hie und da Stinkrosen und Gänseblumen bindet? … Der Dichter bratet uns an seinem Genie-Feuer, welches doch ein bisschen zu kannibalisch schmeckt. Endlich überströmt der Hr. Verfasser gar zu sehr vom Gefühl seines eigenen Dichterwerts, welches dem Leser, der in diesem Punkt gern selbst entscheidet, in sein Recht greifen heißt.

Aber ebendies ist der Probierstein der Nichtbegeisterung. Dies ist Nichtsinn, leerer Schellenklang, wenn der Verfasser nicht auf die Schlacht mit der Kritik zielte oder gar offenherzig gestand, er müsse seine Lieder herauskommandieren… Es fällt in die Augen, dass es dem Vf. nur um ein Vehikel für seine Philosophie zu tun war; ob es passte oder nicht, galt ihm gleich; und so entstand denn dieser Zwitter von Abhandlung und Erzählung, der durch eine fast durchaus metrische Prose womöglich noch ermüdender wird.

Schließlich lege ich den Lesern eine schon oft gemachte Frage vor: Warum unterdrücken unsere bessern Köpfe so oft ihr glücklichstes Talent, mit dessen Hälfte vielleicht ein Ausländer Wundergeschrei macht – ist es schwäbische Blödigkeit? Ist es Zwang ihrer Lage? Übrigens sehen wir den folgenden Bänden mit Vergnügen entgegen.