„Ich will jetzt auch mal klingeln!“ Energisch schiebt sich die dreizehnjährige Daniela vor. Sie ist mit Pascal, Andre und David in Quickborn, einer Stadt im Norden Hamburgs, als Sternsingerin unterwegs. Die katholische Gemeinde St. Marien in Quickborn und Umgebung zählt 2.200 Mitglieder - viel zu tun für Daniela und die anderen 44 Kinder, die als Könige verkleidet von Haus zu Haus ziehen, um Geld für bedürftige Kinder zu sammeln.

Bevor sich die Kindergruppen mit ihren Betreuern auf den Weg machten, wurden sie von Pfarrer Wolfgang Guttmann im Rahmen eines Gottesdienstes auf ihre Aufgabe vorbereitet. „Die Spenden gehen diesmal an Kinderhilfsprojekte in Thailand. Das wurde schon vor einem Jahr festgelegt, jedoch wollen wir auch gezielt den Flutopfern helfen“, sagte der Geistliche. Deshalb haben das Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ und der Bund der Deutschen Katholischen Jugend eine Soforthilfe in Höhe von 90.000 Euro bereit gestellt. Die Mittel fließen zu gleichen Teilen in die Nothilfe in Indien, Sri Lanka und Indonesien.

„Und wir kriegen unterwegs ganz viele Süßigkeiten“, sagt die dreijährige Lea, die zum ersten Mal beim Sternsingen dabei ist, und den Pfarrer noch nicht so recht versteht. Von den älteren Kindern weiß sie aber schon, dass nicht nur Geld eingesammelt wird. „Die Kinder bekommen Schokolade, Kekse und Mandarinen geschenkt. Da müssen wir immer große Taschen mitnehmen“, berichtet Betreuerin Maria Kettmann, die Daniela und ihre Freunde auf dem Weg durch Quickborn begleitet. Bevor es losgeht, lassen sich die Kinder auf dem Kirchhof in ihren bunten Verkleidungen bewundern. „Die Königsgewänder aus dem Kirchenfundus sind meist aus Gardinenstoff genäht und mit glänzenden Borten bestückt. Manche Sternsinger tragen auch ausgemusterte Messgewänder. Die selbstgebastelten Kronen sind aus goldfarbenem Pappmachee“, so Kettmann.

Dann machen sich die Sternsinger auf den Weg. Jule schnappt sich ihr Sternenzepter und steigt mit ihrer Schwester und deren Freundin in den Gemeindebus. „Auch in den umliegenden Dörfern sind unsere Könige unterwegs. Da werden nicht nur Katholiken besucht, die anderen Einwohner freuen sich auch, wenn die Kinder vor der Tür stehen“, so Maria Kettmann. Ihre Gruppe ist abmarschbereit. David nimmt noch schnell einen großen Schluck Saft, denn die Kinder werden bis zum frühen Abend unterwegs sein.

„Wir starten bei meiner Familie, Generalprobe gewissermaßen“, so Maria Kettmann. Daniela, die Größte in der Gruppe, muss den Segen mit Kreide links oben an die Haustüren schreiben: Christus mansionem benedicat, Gott segne dieses Haus. Damit sie die Segenszeichen 20+C+M+B+05 nicht vergisst, hat sie sich einen Spickzettel angefertigt: „Lila Kreide habe ich auch dabei, die sieht man an weißen Wohnungstüren besser."

Die Generalprobe wurde gut bewältigt, Geld und Süßigkeiten wanderten in die jeweiligen Behältnisse. Pascal hat jedoch Probleme mit dem Spruch, den er zum Spendenauffordern aufsagen muss. „Wir bitten um eine Gabe für die armen Kinder, die keine eigene Stimme haben.“ Er weiß nicht genau, was damit gemeint ist. Maria Kettmann hält die Bitte für zu abstrakt formuliert: „Man sollte die Jungen und Mädchen besser auf das Anliegen der Sternsinger vorbereiten, ihnen klar machen, dass sie wichtig sind und mit dieser Aktion ernst genommen werden.“

Besonders die älteren „Könige“ kommen sich in ihrer Tracht komisch vor. Als der dreizehnjährige Andre ein paar Straßen weiter bei seiner Klassenkameradin klingelt, wird er rot. „Im nächsten Jahr komme ich nicht mehr mit, das ist mir peinlich, morgen in der Schule lachen alle über mich.“ Daniela hat mit ihrer Verkleidung keine Probleme. „Die meisten Menschen freuen sich, wenn wir kommen und lachen nicht.“ Sie hat es noch nie erlebt, das Einwohner die Sternsinger beschimpfen oder die Türen wütend wieder zuknallen. „Einige haben kein Geld und spenden dann nicht, geben uns nur ein paar Kekse. Das ist aber in Ordnung.“