In meinem Elternhaus herrschte ein hoher Verbrauch an Katzen. Die ganze Familie liebte es, wenn sich so ein Knuddelvieh zum Durchkraulen auf dem Sofa rekelte oder einem um die Beine schmeichelte, wenn es Hunger hatte. Lange hielten die Katzen aber nie.

Vom Balkon aus durften sie den Apfelbaum als Treppenhaus nach draußen nutzen, wann immer sie wollten. Wir waren da sehr liberal. Obwohl wir um die Gefahr wussten. Zweihundert Meter von unserem Haus entfernt, verlief eine Bundesstraße.

Irgendwann, meist nach zwei oder zweieinhalb Jahren, stieg die jeweilige Katze immer zum letzten Mal den Apfelbaum hinunter. Wir trauerten eine Weile ehrlich um sie. Dann gingen wir zum Tierheim, um uns eine neue zu besorgen.

Katzen sind großartige Tiere. Autos sind ihre natürlichen Feinde. Wenn irgendwer ein Auto nach einer sehr großen Katze benennt, zeugt das von Technik-Machotum. Wenn es Briten tun, zeugt es von Respekt gegenüber einer überlegenen Spezies, deren Eleganz man als Ingenieur zwar nacheifern, aber nie erreichen kann. Ein Auto Jaguar nennen, das dürfen nur Engländer, denn sie wissen das angeborene Understatement der Katze zu schätzen. Italiener, Franzosen oder Deutsche dürfen es nicht. Ihre Autobauer würden nur das Zügellose, Großmäulige am Tier imitieren.

Und so machte ich mir Hoffnungen auf das eleganteste Auto, das ich je gefahren haben werde, als der Mann von Jaguar anklingelt, um zu sagen, er stehe mit dem Wagen vor der Tür. Aber ach. Was ist das denn?

Ich muss mich zwingen, ihn anzulächeln. Vor mir steht der unjaguarhafteste Jaguar, den ich je gesehen habe. Er glotzt so dumm und dienstbar wie jede durchschnittliche Mittelklasselimousine. Würde mich nicht wundern, wenn er mich zur Begrüßung anbellte. Ich höre es förmlich. Wuff, wuff. Das also kommt dann dabei heraus, wenn man eine Befruchtung der Klassik mit dem Zeitgeist zulässt. Und dann ist das Modell auch noch neumodisch pazifikblau lackiert, nicht moosgrün, wie man sich das so vorstellt.

Der Schnösel in mir ist empört.

Als Erstes frage ich den Mann von Jaguar, wo denn bitte die Jaguar-Kühlerfigur sei.