Jacob und Wilhelm Grimm: Ein Märchen

Mit Illustrationen von Matthias Gnatzy - Katzengrabenpresse, Berlin-Köpenick 2004 - Normalausgabe in 999 Exemplaren 98,- e, Vorzugausgabe in 99 Exemplaren 198,- e

Der erstaunliche Anderthalb-Mann-Verlag in Köpenick, berühmt für seinen nicht nur bibliophilen Einfallsreichtum, hat das Grimmsche Märchen vom Hans im Glück von Hand in japanische Blockbindung und Pariser Marmor gewickelt, mit güldenen Lettern und Illustrationen versehen. Das ist noch nicht alles. Wir werden hier lesend Zeugen einer Wahrheit, die dazu taugen könnte, die Rechtschreibreform im Gelächter versinken zu lassen: Die Lesbarkeit bekannter Wörter hängt einzig vom ersten und letzten Buchstaben ab, der Rest kann nach Belieben vertauscht werden. Was einzig zählt, ist die Wortsilhouette. Das klappt besser, als man denkt: Hnas htae seiben Jhrae bei sneiem Hhern gideent. Na? Geht!

Ilse Aichinger: Brüder Grimm

Der Wolf und die sieben jungen Geißlein - Edition Korrespondenzen, Wien 2004 - 25 S., 9,- e

Noch eine Umschreibung eines Grimmschen Märchens. Hier als Verschrecklichung.

Ilse Aichinger erzählt die furchtbare Geschichte vom Wolf, der die sieben Geißlein verschlingt, noch furchtbarer. Sie lässt alle Beteiligten des Massenmordes zu Wort kommen. Die Erlösung durch die deutsche Hausfrau und Mutter, die bei Grimm den Tod mit Nadel und Faden besiegt und ihre Kinder aus dem Wolfsbauch rettet, fällt aus. Nichts verdient, rückgängig gemacht zu werden, schreibt Ilse Aichinger (und zitiert den Verzweiflungskünstler Cioran). Am Ende sind es nur die Wackersteine in der Tiefe des Brunnens, die der Unannehmlichkeit, auf der Welt zu sein, gewachsen sind.