Die Sorge der Technischen Universitäten, der Bachelor könnte sich zu einer Art Billigabschluss entwickeln, teilt indes auch Dieter Dohmen, der Leiter des renommierten Forschungsinstituts für Bildungs- und Sozialökonomie (FiBS) in Köln. Er prognostiziert eine massive "Dequalifizierung" der deutschen Hochschulabsolventen für den Fall, dass der Bachelor zur Regel wird und die Hochschulen nur eine bestimmte Quote der Absolventen für den Master zulassen. "Bevor wir anfangen, zwischen Bachelor und Master Barrieren einzurichten, müssen wir dafür sorgen, dass mehr Leute ein Studium aufnehmen", sagt Dohmen. "Sonst ist das am Ende eine Milchmädchenrechnung, und wir haben weniger hoch qualifizierte Absolventen als heute." Die Zahl der Absolventen auf dem Niveau von Uni-Diplom beziehungsweise Master dürfe auf keinen Fall sinken.

Die Gegner des Bachelors sind allerdings mittlerweile in der Minderheit. "Das ist doch eine völlig absurde Diskussion", sagt Volker Meyer-Guckel vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft. "Das alte System hat nur 50 Prozent der Studienanfänger zu einem Abschluss geführt. Das neue System wird diese Quote drastisch erhöhen. Wir kommen also insgesamt zu einem Zuwachs an akademischer Qualifikation." Zudem erwarte er, dass fast alle, die bislang zu einem Universitätsdiplom gelangt seien, im neuen System einen Master-Abschluss erwerben würden. Was bedeuten würde, dass die Zahl der Absolventen mit den höchstmöglichen Abschlüssen wie Master oder Doktorgraden in etwa stabil blieben, während die Zahl der akademischen Grade unterhalb dieses Niveaus in die Höhe schnellen dürfte. Eine Dequalifikation wäre das mitnichten.

Am glücklichsten mit der Reform sind die Fachhochschulen. Für sie verheißen die neuen Abschlüsse endlich Wettbewerb auf Augenhöhe mit den Universitäten. "An den Universitäten sehen viele den Bachelor als Minus zu den bisherigen Studiengängen", sagt Dietmar von Hoyningen-Huene, Rektor der FH Mannheim. "Bei uns ist das anders. Wir nehmen die Herausforderung an." Die Universitäten täten gut daran, es den Fachhochschulen gleichzutun, fordert daher Staatssekretär Husung. "Das System wird sich endlich stärker auf die Erwartungen der jungen Menschen einstellen, für die das Studium eine Berufsqualifizierung ist."

Bachelor für die Mehrheit, Master für die Besten

Natürlich, ergänzt Husung, müsse es im Anschluss an den Bachelor hochklassige, forschungsaktuelle Master-Programme geben – und auf die sollten sich die Universitäten konzentrieren, anstatt einen vermeintlichen Niveauverfall zu beklagen. Und tatsächlich, der Vergleich zu den USA oder Großbritannien zeigt: Gerade die Master- und Doktorandenprogramme dürften für die Profilschärfung der Universitäten von entscheidender Bedeutung sein. Funktionieren, betont Husung, dürfte das allerdings nur, wenn sich die Hochschulen trauen, von Grund auf neue Studieninhalte zu konzipieren, anstatt das bisherige Diplom lediglich in Master umzutaufen.

Denn das wäre weder im Sinne des Bologna-Prozesses noch der zukünftigen Arbeitgeber, die laut einer weiteren IW-Studie die vielen "Umetikettierungen" anprangern. Hier, so scheint es, ist Eigenverantwortung gefragt, denn die Akkreditierungsagenturen, die die Qualität der neuen Studiengänge prüfen sollen, kommen bei der Anzahl neuer Bachelor- und Master-Programme kaum hinterher mit ihren Prüfungen.