Ruge : Natürlich denke ich das. Aber ich würde auch sehr gerne mein Geld als Opernsängerin verdienen. Wenn ich denn dieses große Geschenk einer großen Stimme mitbekommen hätte.

ZEIT: Letzte Frage: Welches Buch eines anderen Verlages haben Sie zuletzt gelesen?

Ruge : Ich lese gerade erneut ein erstaunliches Buch, das, glaube ich, vor knapp zwanzig Jahren im Siedler Verlag erschienen ist. Es sind Die Berliner Tagebücher von Missie Wassilitschikow. Die Autorin war eine russische Adelige, eine schöne, eigenwillige junge Frau, die in den letzten Jahren des "Dritten Reichs" hier in Berlin gelebt hat und mit vielen Leuten des deutschen Widerstands befreundet war. Nun, da ich selbst "Berlinerin" bin, lese ich das Buch noch einmal mit neuen Augen.

Das Gespräch führte Susanne Mayer

ELISABTETH RUGE wurde 1960 in Köln geboren. Sie ist gelernte Buchhändlerin, hat eine Dolmetscherausbildung in Russisch und studierte Slawistik, Amerikanististik und Anglistik. Elisabeth Ruge war Lektorin für ausländische Literatur beim S. Fischer Verlag und hat 1994 zusammen mit Arnulf Conradi und Veit Heinichen den Berlin Verlag gegründet. Vier Jahre später ging der Verlag zu Random House, verließ die Gruppe aber wieder, um sich mit dem Londoner Bloomsbury Verlag zu verbinden. Zum Berlin Verlag gehören Bloomsbury Kinder- und Jugendbücher, Bloomsbury Berlin und der Berliner Taschenbuch Verlag. In der letzten Woche übergab Arnulf Conradi den Verlag an Elisabeth Ruge