Ein suggestiver Geschichten- und Geschichte-Erzähler, zugleich ein brillanter Analytiker seiner Zeit, ein energischer Humanist – das alles war Stefan Zweig, geboren 1881 in Wien, gestorben durch eigene Hand 1942 als Heimatvertriebener in Petropolis, Brasilien. Ein immens fleißiger Mann, Bestseller-Romancier und -Biograf, viel verehrt, viel beneidet, gern bespöttelt, international in höchster Auflage gedruckt bis heute.

Nur als Dramatiker, da hatte er einfach kein Glück. Nicht dass ihm hier nichts gelang. Sein Antikriegsstück Jeremias, mitten im Ersten Weltkrieg in der Schweiz uraufgeführt, sorgte für Aufsehen, Volpone (1926, nach Ben Jonson) wurde rund um den Globus gezeigt. Doch dauerhaft etablieren konnte er sich auf dem Weltspielplan nicht.

Da war es eine wunderliche Überraschung, als 1989, zum 200. Jahrestag der Französischen Revolution, plötzlich wieder Stefan Zweig auf die Bühne kam, und zwar, zweite Überraschung, mit einer Uraufführung. Am 21. Januar gab das Mainzer Theater erstmals Adam Lux, ein Revolutionsdrama, an dem Zweig zwischen 1913 und 1928 immer mal wieder herumgebastelt und das er, aus vielerlei Gründen, nie ganz vollendet hatte. Doch der Misserfolg blieb dem Dramatiker auch postum treu: Die Mainzer Inszenierung wurde respektvoll zur Kenntnis genommen, das Stück verschwand in der Versenkung.

Eigentlich schade, sagte sich der Verleger Eric Erfurth und brachte es jetzt neu heraus. Denn es ist faszinierender (Lese-)Stoff, und man versteht sofort, was Zweig an diesem Schicksal aus den Tagen der Französischen Revolution so gefesselt hat. In zehn Bildern erzählt er die Geschichte des jungen Adam Lux aus Mainz, der für die Republik ficht, die deutsche und die französische, 1793 an der Seite Georg Forsters nach Paris geht und dort in das Labyrinth der Revolution gerät; noch im selben Jahr stirbt er, nachdem er Charlotte Cordays Attentat auf Marat öffentlich verteidigt hat, unter der Guillotine. In den Grundzügen hielt sich Zweig an die Tatsachen (er hatte artig die Archive konsultiert), manchen Dialog, wie zwischen Lux und Marat oder Lux und André Chénier, erfand er freilich hinzu.

Die Revolution als ferner Spiegel; natürlich zielt das Stück auf Akutes. Es geht um die Frage nach dem Engagement des Intellektuellen, nach Gewalt und Widerstand. Darum, ob sich ein Volk militärisch für die Demokratie gewinnen lässt. Wie hoch der Preis der Freiheit sein darf. Und wer bestimmt, was "das Volk" überhaupt ist und was es will.

In einem ausführlichen Beitrag schildert der Mainzer Historiker Franz Dumont die Hintergründe, den Konflikt zwischen radikalen Jakobinern und gemäßigter Gironde, vor allem, was Cordays Tat für Lux wie für so viele andere "deutsche Jakobiner" bedeutete, die tatsächlich ja meist wackere Girondisten waren. Sein Fazit: Lux habe "nie radikal", doch immer "konsequent" gehandelt – von seinem Engagement für die Revolution in Deutschland bis zuletzt, bis zu seinem Bekenntnis zu Cordays Attentat, das für Lux ein Akt des Widerstands gegen die bedrohlichen Sansculotten war. Ein Enthusiast der Freiheit, tollkühn, nie fanatisch, eine verwirrende Gestalt, und Dumonts Abriss lässt den Leser allerdings fragen, warum es trotz vieler älterer Studien und Darstellungen bis heute keine umfassende Lux-Biografie gibt.

In einem weiteren Beitrag forscht der Mainzer Germanist Erwin Rotermund nach Zweigs Motiven und erinnert an Karl Mannheims frühes Werk Ideologie und Utopie, das, 1929 erschienen, eine Analyse des Intellektuellen der Weimarer Republik versucht. Rotermund zeigt, wie nahe Zweig in seiner Lux-Deutung Mannheim kommt.