Woche für Woche ist es die Aufgabe von Dr. Markus Merk, unauffällig und unparteiisch darüber zu wachen, dass Fußballprofis nicht den Regeln des Spiels zuwider handeln. Fast ganz alleine pirscht er mit wachem Verstand quer über das Spielfeld. Nur von der Seitenlinie winken ihm zwei fleißige Helfer ab und an mit grellen Fahnen zu. Stolz dürfen sie sein, denn sie wedeln in Richtung des derzeit besten Schiedsrichters der Welt. Ja, auch Buhmänner dürfen verehrt werden.Fachredaktionen und Experten aus 81 Ländern wollen wissen, dass der 42 jährige 2004 bester seines Fachs war. Besser noch, als Pierluigi Collina, der die letzten sechs Jahre zum Schiri-Primus gekürt wurde und für den man sogar plant, das Mindestalter für Schiedsrichter nach oben zu korrigieren. So durfte Merk und nicht der Italiener das EM-Finale leiten. Dort pfiff er unauffällig, ein Gütekriterium für Schiedsrichter. Didi Hamann wird sich fragen, warum er bei der EM kein Schiri war.Wenn der Zahnarzt aus dem pfälzischen Otterbach nicht gerade nationale oder internationale Spiele leitet oder in seiner Praxis in Kaiserslautern die Schmerzen seiner Patienten lindert, engagiert er sich für das indische Kinderdorf Sogospatty. Besonders bemerkenswert ist, wie er es schafft, zunächst dort von mittellosen indischen Kindergruppen angestrahlt und kurze Zeit später von dickköpfigen Fußballmillionären bedrängt zu werden. Wie das geht, steht in keinem der neuen Richtlinien über Rudelbildung. Vielleicht schöpft der gläubige Katholik Merk aber auch gerade aus diesen ambivalenten Erfahrungen Kraft für seine Schiedsrichtermissionen.Der beste Schiedsrichter der Welt also ist gewählt. Doch an dieser Stelle soll noch kurz an die Unparteiischen gedacht werden, die nicht einmal nominiert wurden. Denjenigen, die es schafften, Fußballfans noch für Jahre Gesprächsstoff zu liefern: über Helmers "Phantomtor" oder Maradonas "Hand Gottes". Auch für sie ist ein vorsichtiges Lob angebracht, denn wer fachsimpelt schon gerne über zweifelsfrei richtige Entscheidungen?