Susanne ist ja meine allerliebste Freundin. Also, wir sind supereng, meistens jedenfalls, wenn sie nicht wieder stichelt, die kann so total gemein sein, aber trotzdem, meine Freundin, ich sag: mein Alter Ego. Susanne Fröhlich. Ich bin ja manchmal so was von Susanne Traurig. Häng durch, blaue Stunde morgens um vier, heulend auf dem Sofa, also, meine Familie hasst das, nun, dann ist Susanne da, plapperdipap, mit fröhlichstem Rat satt, superverlässlich. Das funktioniert so: Du schnappst dir ihr Buch, okay, das ist nur ein Ratgeber, Moppel-Ich, zugegeben der albernste Diät-Titel, steht auch nichts Neues drin, natürlich kein Hardcover, nur Hochglanz, ups, da ist ja schon ein Jogurtfleck drauf. Du schlägst es auf und stellst fest: Das Leben macht Spaß! Okay, das klingt jetzt supersimpel. Auch das: halb so schlimm! Vergiss mal den Dellenarsch, so zwitschert dir Susanne auf jeder Seite fröhlich zu, guck doch mal meine Knie an, fetteste Airbags rechts und links, und boah, wie meine Schenkel aneinander kleben, was machen die da?, ihr beiden, erfindet wohl Namen für meine Schwangerschaftsstreifen, na, na, na! Mit Susanne kannst du kichern. Anglucksen gegen den schweren argumentativen Sound der Zeit, von wegen gnadenlose Rückkehr des Frühkapitalismus, Ausverkauf der christlichen Soziallehre, wer will schon immer intellektuell sein, nur weil man Abi hat, oder sollen wir etwa die Klappe halten, nur weil wir Alg II, oder war es IV, nicht auseinander halten können? Kein Neid. Das Moppel-Ich ist supererfolgreich, 500 000 übern Tresen, verkauft an wen? Reingucken, lesen muss man schon können, steht auf Seite eins: Für alle meine Freundinnen: Esst schön ... Ein Buch für Elke, Sabine, Birgit, Ulrike, Jutta, mich, also für uns alle, die ab und zu den fetten Blues kriegen, auch ohne Jobverlust. Muss doch erlaubt sein. Nur kein schlechtes Gewissen. Also, die Arbeitslosen haben doch kein Monopol auf Schwierigkeiten, oder was? Nur, weil ihnen der Staat beim Abspecken hilft.

Ich finde, die sollten auch mal ein bisschen lächeln, morgens in den Spiegel, muss ja nicht gleich so breit sein wie bei Susanne. Also, das Cover ist unmöglich. Glubsch nicht so, Susanne, sag ich noch. Aber Kritik macht der nichts. Die ist wie Ulla Schmidt. Susanne ist ja der personifizierte Stimmungsaufheller. Das ganze Buch ist ja mental blond. Man soll Susanne nichts Böses nachsagen, aber das Dunkle im Leben sieht sie nicht, sofern es nicht einen 75-prozentigen Schokoladenanteil hat, probier doch, flötet sie dann, da ist total wenig Fett drin, das staubt schon, kichert sie, man kann ja nicht immer gleich nachschlagen, ob die Edelmadagascar von Lindt im Sozialhilfe-Fresskorb vorgesehen ist. Wer zu viel kriegt, leidet auch, sagt dieses Buch. Das ist total entspannend. Und wer jammert, ist ein Spielverderber, echt schlimmer als Wohlstandsverlierer, oder? So gesehen, ist das ein sozial total versöhnliches Buch. Da werden alle zusammengemoppelt.

Oder? Meine Rede.