Wie Verlage aus alten Ideen wieder Funken schlagen

Eben geht mit einem Teller / Witwe Bolte in den Keller / dass sie von dem Sauerkohle / eine Portion sich hole / wofür sie besonders schwärmt / wenn er wieder aufgewärmt – nicht nur Wilhelm Busch wusste, dass so manches Gericht durch Aufwärmen an Geschmack gewinnt. Auch Spieleverlage sind sich dieser Weisheit bewusst: Spiele-Juwelen, denen nicht der verdiente Erfolg beschieden war oder deren Verlag vom Markt verschwunden ist, wandern nicht in die Abstellkammer. Sie warten eine Weile, um dann – runderneuert – eine zweite, manchmal auch dritte Chance zu bekommen.

Der Queen-Verlag aus Troisdorf beispielsweise nutzt den Erfolg seines Spiels Alhambra, das 2003 zum Spiel des Jahres gekürt wurde, für diverse Erweiterungen und Ableger. Und um Bewährtem eine zweite Chance zu geben: Ein Blick auf das aktuelle Die Gärten von Alhambra (2 bis 4 Spieler, ab 10 Jahren, circa 20 Euro) zeigt, dass es sich hier eigentlich um das Spiel Carat aus dem Jahr 1998 handelt. Damals ging es darum, möglichst hochwertige Diamanten rund um einen Wertungsstein zu platzieren, diesmal ist das Thema weniger abstrakt: Nun müssen wir Bäume rund um bestimmte Gebäude pflanzen. Der ersten Version war leider wenig Erfolg beschieden – wohl auch wegen des komplexen Abrechnungsmechanismus. Der ist zwar gleich geblieben, passt sich aber besser in das Thema ein.

Unter vielen Namen war auch Engel & Bengel aus dem Ravensburger Verlag (2 bis 6 Spieler, ab 4 Jahren, circa 18 Euro) vorher auf den Markt. In den USA war es schon Sharp Shooters bekannt, bevor der Verlag FX das Spiel von der renommierten Werbeagentur Springer & Jacoby unter dem Namen Gambler neu gestalten ließ. FX ist längst Geschichte, Gambler aber feiert als Engel & Bengel Wiederauferstehung. Zum Glück! Das Design ist sicherlich das schlechteste aller bisherigen Versionen, der Spaß bei diesem faszinierenden Würfelpoker aber bleibt dadurch unberührt.

Weniger ein Remake als eine Überarbeitung ist Friedemann Frieses Funkenschlag (2F-Spiele, 2 bis 6 Spieler, ab 12 Jahren, circa 30 Euro). Hier hat der Autor, der gleichzeitig auch Verleger ist, eine tolle Idee für eine breitere Kundschaft aufbereitet. In der Urversion aus dem Jahr 2001 entstanden mit Hilfe von Wachsmalstiften Energienetze auf dem Spielplan. Die Idee mit den Wachsstiften war originell, führte aber zu unerwünschten Reinigungsorgien und somit zu Unmut. Friese hat sich also die Idee noch einmal vorgenommen, einen richtigen Spielplan entworfen, die Regeln und Abrechnungstabellen überarbeitet und so einer größeren Spielergemeinde ein Spiel gegeben, das sicher nicht nur Freaks großes Vergnügen bereitet.

Nicht immer sind es alte Spiele, die ihre Auferstehung feiern. Bei Jupiter (2 bis 4 Spieler, ab 10 Jahren, circa 20 Euro) war es nur eine Idee, die der Verlag aufgegriffen hat. Diese Idee hatte die Spielezeitschrift Spielbox vor über zehn Jahren veröffentlicht. Nun hat Franjos der Idee auch Steine und eine Schachtel gege- ben. Es muss ja gar nicht immer ein Remake sein.Karsten Peters

* Vergangene Woche erschien der letzte "Tratschke", der noch von Gerhard Prause stammte. Gerhard Prause ist vor kurzem gestorben. Jetzt arbeitet die Redaktion an neuen biografischen Rätseln. Bis klar ist, wie sie heißen und wie sie aussehen werden, nutzen wir den Platz auf dieser Seite für etwas, was sich Leser immer wieder gewünscht haben: kurze Rezensionen von neu erschienenen Brettspielen

Wie Verlage aus alten Ideen wieder Funken schlagen

Tratschke-Auflösung aus Nr. 2:

Es war: Fürst Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau (1740 bis 1817), der mit F. W. von Erdmannsdorff das Gartenreich Dessau-Wörlitz schuf. C. A. Boettiger gibt eine Beschreibung des Parks in seiner Schrift "Reise nach Wörlitz 1797", München, Deutscher Kunstverlag 2000