Als ich die Schlange vor dem Schalter des Hamburger Verkehrsverbundes sehe, ärgere ich mich: Das U-Bahn-Buch liegt im Büro. Im Schneckentempo geht es voran und ich lasse meine Gedanken schweifen. Wirres, unzusammenhängendes Zeugs geht mir durch die Hirnrinde - jeder Traum wäre strukturierter. Mir ist langweilig! Als ich endlich die Dame am Schalter erreiche, um ein ermäßigtes Monatsticket zu kaufen, entgegnet sie mir freundlich, aber bestimmt: "Berliner kriegen keine Rabatte!" Sprachlos und vor den Kopf gestoßen verabschiede ich mich mit einer Kurzstreckenfahrkarte.Ich überlege kurz, ob ich fortan nicht lieber schwarzfahren sollte. Aber was mache ich dann mit meinem Buch? Ich wäre viel zu aufgeregt, um mich cool lesend durch die Stadt chauffieren zu lassen. Außerdem würde ich erwischt werden, ganz bestimmt. Aber es gibt doch noch das Rentner-Ticket! Das gilt zwar nicht zu den Hauptverkehrszeiten, aber vor neun Uhr verlasse ich das Bett sowieso nicht. Passt also. Zurück zum Schalter. Die Schlange ist nicht kürzer geworden, und ich habe noch immer nichts zu lesen bei mir.Ausgelaugt und leicht verblödet vom Warten kommt mir die nächste nicht wirklich gute Idee: Ich fahre übers Wochenende zurück nach Berlin, da habe ich ein Fahrrad. Dann komme ich zwar wieder nicht zum Lesen, aber man muss es ja nicht nur im Kopf haben. Weil mir meine Bahncard noch nicht zugeschickt wurde, kann ich mir meine Fahrkarte nicht am Automaten ziehen. Schade, die Warteschlange beginnt nämlich schon weit vor dem Reisezentrum.In meinem Kopf machen sich Ameisen und Schlachtgesänge breit. "Tüdeldü ha-es-fau." Soll ich Hooligan werden? Nach gefühlten zwei Tagen erreiche ich den Kundenservice. Das Fahr-und-Spar-Kontingent ist restlos ausverkauft. Ich kaufe trotzdem ein Ticket für den nächsten Zug. Da kann ich wenigstens lesen. Ich denke schon nur noch in Hauptsätzen. Morgen werde ich mich krank melden müssen. Endlich sitze ich auf meinem Platz. Der Zug fährt ab. Wo ist eigentlich mein Buch?P.S.: Steffi, ich liebe Dich!