Howard Hughes war ein Spinner, ein Genie, ein Bastler, ein Frauenheld. Er war Luftfahrtunternehmer und Filmregisseur, nachtklubnotorischer Exzentriker und am Ende ein verwahrloster Eremit, dem sich die Fingernägel zu Klauen krümmten. Howard Hughes hat die Fluggesellschaft TWA groß gemacht und einige der bekanntesten Filme der Vorkriegszeit produziert, Hell’s Angels (1930), Front Page (1931), Scarface (1932). Er hatte Affären mit Bette Davis, Ginger Rogers, Rita Hayworth. Er war der Mann an der Seite von Katharine Hepburn und an der Seite von Ava Gardner. Er hat ein riesiges Vermögen angehäuft und einen großen Teil seines Lebens in geistiger Umnachtung verbracht. Howard Hughes, aus der Ferne betrachtet, hat viele Gesichter und, aus der Nähe gesehen, nur noch eines: das eines zwanghaften Pedanten.

In Martin Scorseses grandioser Filmbiografie Aviator sehen wir ihn, wie er, vor einem Flugzeugprototyp kniend, mit den Händen über die Nieten im schimmernden Aluminium streicht. Es stört ihn, dass sie so weit vorstehen. Wenig später liegt er in zärtlicher Umarmung mit Katharine Hepburn (Cate Blanchett) auf dem Canapé, und seine Hände streichen über ihren nackten Rücken. Der Zuschauer, der den misstrauischen Tastsinn nun schon kennt, bebt mit ihm, dass er sich an den vage erkennbaren Hautunreinheiten stoßen könnte. In Howards Gesichtsausdruck mischen sich Argwohn und zärtliche Ergebenheit in die Unvollkommenheit der Menschennatur. Es ist ein Leben, und es ist eine Liebe auf der Kippe, und man muss sagen, dass beides von Leonardo DiCaprio verehrungswürdig gespielt wird.

Vor dem nackten Frauenrücken ist der Flugzeugkonstrukteur allein

Hier, vor dem imperfekten Frauenrücken, gibt es keine Techniker, die zur Nachbesserung ermahnt werden könnten. Vor dem nackten Frauenrücken ist Howard Hughes allein. Von dieser Einsamkeit handelt Scorseses Film, mehr als von den Erfolgen, den Luftfahrtrekorden, Kinorekorden und Aktienrekorden.

Auf dem Höhepunkt seines Ruhms steht Howard Hughes in der Toilette eines eleganten Hotels und wäscht sich die Hände, wieder und wieder, bis sie zu bluten beginnen. Die Kippe seines Lebens hat sich auf die pedantische Seite gesenkt, aber die Pedanterie kann keine Erfüllung finden. Die Hände werden niemals sauber, denn ist die Haut gereinigt, mühsam genug, dann platzt sie auf, und es zeigt sich: Auch unter dem Blech des Menschen haben die Mechaniker gepfuscht. Aus den Leitungen sickert Blut, das Blut verschmutzt die Handtücher, die Handtücher liegen blutverschmiert im Papierkorb, es ist ein bedrohlicher Anblick. Man sollte sie sofort reinigen lassen, aber wenn er jetzt die Toilette verließe, müsste Howard den Türknauf anfassen, der abermals keine glatte, sondern eine gerippte Oberfläche hat, voller Bakterien auf der schrundigen Kugel. Also muss er warten, bis ein weiterer Gast die Toilette betritt, und dann geschwind an ihm vorbeischlüpfen, bevor die Tür zufällt und ohne sie zu berühren.

Das sind die Triumphe, die Howard feiert: ohne Körperkontakt einen Cloakroom zu verlassen, und das sind die Schrecken, über die er zu siegen hat: dass alles immer in Unordnung ist und noch weiter zerstört wird, wenn man es in Ordnung zu bringen versucht.

Nach dem Muster dieser Triumphe und dieser Schrecken organisieren sich auch die geschäftlichen Erfolge und Niederlagen. Er optimiert seine Flugzeuge, bis sie einen Geschwindigkeitsrekord nach dem anderen brechen, aber dann er stürzt er mit einer, der schnellsten aller Maschinen ab, weil das Kerosin zu Ende geht. Er expandiert mit TWA, bis sie die Zweite der amerikanischen Airlines geworden ist, aber dann gerät er an Juan Trippe, seinen Konkurrenten von PanAm, der ihm einen korrupten Politiker auf den Hals hetzt. Trippe (Alec Baldwin) und dieser Politiker (Alan Alda) sind für ihn wie schlecht gesetzte Nieten im Blech, Ungeziefer wie die Bakterien auf einem Türgriff. Nach den Gesprächen, Verhandlungen, Auseinandersetzungen muss er sich abermals wie besessen die Hände waschen.

Es ist die Meisterschaft dieses Films, dass er die Mikrostruktur von Howards Neurosen und die Makrostruktur seiner Geschäfte zusammen denkt und zusammen zeigt. Um von dem einen zum anderen zu kommen, bedient sich Scorsese eines genialen ästhetischen Manövers. Er verwendet die psychologischen Motive, den Waschzwang, die Prägung durch eine überängstliche Mutter, den perfektionistischen Kontrollwahn, nicht zur Erklärung und als Mittel der Einfühlung, sondern wie die Attribute eines Heiligen in der mittelalterlichen Kunst. So wie der heilige Hieronymus traditionell in der Studierstube ("im Gehäuse") und der heilige Markus mit dem Löwen dargestellt wird, so wird Howard Hughes, der Märtyrer der Luftfahrtindustrie, in der Toilette, beim Händewaschen dargestellt. Die Zwangsneurose ist nicht Ursache oder Folge seines sonderbaren Lebens, sondern ein sprechendes Moment dieses Lebens wie andere sprechende Momente auch, zum Beispiel das Steuern eines Flugzeugs.