Kein Material ist für den preußischen Klassizismus so typisch wie das Gusseisen. Siebzig Jahre lang, von 1804 bis 1874, existierte die Königliche Eisengießerei in Berlin. In ihren Werkstätten entstanden Maschinenteile und Munition, außerdem Säulen, Brückengeländer, Grabmäler und Denkmäler, die das Berliner Stadtbild bis heute prägen. Die Eisengießerei hat die ersten beiden Lokomotiven Kontinentaleuropas gebaut. Heute befindet sich auf dem Gelände an der Invalidenstraße das Verkehrsministerium.

Aber auch kleine Pretiosen wurden im preußischen Berlin aus Eisen gefertigt: filigraner Schmuck mit Blatt- und Schmetterlingsmotiven, Plaketten, Statuetten, Medaillen, Kandelaber, Visitenkartenhalter und Taschenuhrenständer, Taufbecken und Möbel nach antiken oder gotischen Vorbildern. Berliner Eisen, das war eine Exportmarke - in den USA riss man sich um das Berlin iron, in Frankreich um den fer de Berlin. Die Entwürfe für das außergewöhnliche Kunsthandwerk lieferten unter anderem Karl Friedrich Schinkel, Christian Daniel Rauch und Johann Gottfried Schadow.

Berliner Eisen habe eine kleine, aber verschworene und begeisterte Sammlergemeinde, sagt der Berliner Antiquitätenhändler Kristian Ebner von Eschenbach, der sich auf das schwarz glänzende Kunsthandwerk spezialisiert hat. Liebhaber zahlen Preise von 150 Euro (für eine kleine Plakette) bis zu etwa 35 000 Euro (für Möbel, deren Entwürfe Schinkel zugeschrieben werden).

Wer Glück und das nötige Gespür hat, findet auf einem Stralsunder Flohmarkt ein Paar herausragende Sphingen zu einem lächerlich niedrigen Preis - so geschah es dem Münchner Sammler Falk Morton Weber.

Die Geschichte der Königlichen Eisengießerei dokumentiert derzeit das Berliner Märkische Museum in einer bemerkenswerten Ausstellung (bis 3.

April). Bei der Eröffnung war eine Frau zu bestaunen, die ein hauchfeines schwarzes Kollier mit Abgüssen antiker Gemmen trug. Vielleicht hat das Collier einmal das weiße Dekolleté einer Zeitgenossin Fontanes wie schwarze Spitze verziert.

Eisenschmuck wie dieser war ein Zeichen preußisch-bürgerlicher Vaterlandsliebe. Als Patriotin trug man lieber Eisen als Gold und Silber - und folgte dem Aufruf der Prinzessin Marianne und ihres 1813 gegründeten Frauen-Vereins, noch vorhandenen Goldschmuck für die Befreiungskriege gegen Napoleon zu spenden. Indes, die grobschlächtigen Ringe mit dem Aufdruck Gold gab ich für Eisen, die man als Anerkennung bekam, hatten wenig mit der sanft-verspielten Fragilität der Schmuckpretiosen zu tun, die man im gesellschaftlichen Leben vorführte.