Dass uns die Medien überfordern, uns ohnmächtig machen, uns abschirmen von der Realität, all dies möchten die Kuratoren mit ihrer Inszenierung vorführen. Das vermeintlich Aufklärerische des Journalismus soll hier als große Verunklarung sichtbar werden, als »mediale Manipulation«, als »undifferenziertes Freund-Feind-Schema«, wie es im Katalog heißt. »Die Bilderflut der Medien«, schreibt Klaus Biesenbach, »entkoppelt Bilder von ihrem historischen Hintergrund und entfremdet und mythologisiert diese Bilder oft bis zur Unkenntlichkeit.« Als Gegengift gilt den Kuratoren die Kunst. Sie könne die mediale Oberfläche durchstoßen und erlaube den Besuchern wieder Zugang zur Geschichte, eine neue »Zeugenschaft«.

Tatsächlich scheint dies Konzept aufzugehen, im Taifun der Medienbilder wirkt Feldmanns Installation wie ein Auge der Ruhe. Der Künstler erweist sich als Sturmstiller, er sondiert und interpretiert, fischt einzelne Bilder aus den Fluten und verhilft ihnen so zu neuer Kraft. Wäre damit die Ausstellung zu Ende, sie wäre eine gute Ausstellung. Nur leider setzt sie sich über etliche Stockwerke fort, und was anfangs erhellend wirkte, gerät bald zur Masche. Schon bei einem ersten Rundgang durch die Hallen der KunstWerke, als noch nicht alle Bilder gehängt, alle Filme installiert waren, blickten einem aus allen Winkeln die Terroristen entgegen, ein Baader hier, eine Ensslin dort. Mal grob übermalt wie bei Wolf Vostell, mal sanft ins Unscharfe gerückt wie in Gerhard Richters Atlas- Bildern, dann bei Lutz Dammbeck krude vernäht mit halben Arno-Breker-Gesichtern.

Nun ist es ja durchaus üblich, dass sich Künstler bei den Medien bedienen. Hier aber scheinen viele in den Bann der veröffentlichten Bilder zu geraten, manchen werden sie geradezu zum Fetisch. Und nicht nur die Bilder, das ganze Leben der RAF-Ikonen wird den Künstlern zum Material. Nicht selten behandeln sie es voller Ehrfurcht, Dennis Adams zum Beispiel, der sich Bambule vornimmt, einen lange verbotenen Film, den Ulrike Meinhof gedreht hat. Adams schneidet eine Szene heraus, zerlegt sie in lauter Einzelbilder, die er dann an Passanten auf der Straße verteilt, was er wiederum auf Video dokumentiert. Das Ganze wirkt wie eine verkappte Form von Volksaufklärung, distanzlos und banal zugleich.

Andere Künstler verfallen dem vermeintlichen Abenteuer RAF, sie fühlen sich angezogen von der kinohaften Selbstinszenierung der Terroristen. Diese planten zum Beispiel, aus einem Autotorso einen eigenen Hubschrauber zu bauen und so die Gefangenen zu befreien. Nun spielt der Künstler Franz Ackermann mit dieser James-Bond-Idee. Erst ließ er die Pläne rekonstruieren, dann den Hubschrauber nachbauen, jetzt deklariert er ihn als Kunstwerk.