"Wir haben eine Rekord-Berlinale", freut sich der Direktor des Filmfestivals, Dieter Kosslik. Denn 3.320 Filme reichten die Regisseure und Verleiher dieses Jahr ein, so viele wie noch nie. Rund 350 von ihnen werden ab dem 10. Februar für elf Tage auf der 55. Berlinale zu sehen sein. Dazu kommen weitere 600 für die internationalen Einkäufer, die auf der angegliederten Messe European Film Market gezeigt werden. Ein Rekordjahr, das über die entgangenen Hollywood-Produktionen hinweg tröstet. Denn einige Prestigefilme aus den USA, wie Aviator oder Hautnah , sind bereits aus Termingründen in den Kinos angelaufen.

Auch wenn die amerikanischen Blockbuster dieses Jahr fehlen, werden doch einige Hollywood-Stars am Potsdamer Platz erwartet, wie Keanu Reeves, Will Smith oder Kevin Spacey. Gérard Depardieu und Catherine Deneuve erweitern die Runde der prominenten Schauspieler, die ihre Filme vorstellen werden. Von den insgesamt 21 Filmen, die im Wettbewerb miteinander konkurrieren, sind 16 Weltpremieren. "Es geht um Fußball, Sex und Politik", sagt Kosslick, der damit versucht, die breit angelegte Themenauswahl des Wettbewerbs zu umschreiben.

Der politische Schwerpunkt des Festivals ist Afrika und wird sich durch alle Bereiche inklusive dem Rahmenprogramm ziehen. Im Wettbewerb beschäftigen sich mit Hotel Rwanda von Terry George und Sometimes in April von Raoul Peck gleich zwei Filme mit dem Völkermord in Ruanda. Der französische Regisseurs Régis Wargnier eröffnet mit seinem Beitrag Man to Man die Berlinale: Ein Abenteuerepos über zwei Afrika-Forscher des 19. Jahrhunderts, die einen Pygmäenstamm entdecken.

Nachdem letztes Jahr mit Gegen die Wand eine deutsche Produktion den Goldenen Bären gewonnen hat, ist die einheimische Industrie in diesem Jahr mit drei Filmen vertreten. Der Episodenfilm One Day in Europe verwickelt vor dem Hintergrund eines Champions-League-Endspiels Touristen in Moskau, Istanbul, Santiago de Compostela und Berlin in Diebstähle. Marc Rothemund schildert in Sophie Scholl - Die letzten Tage die Zeit vor der Hinrichtung der Widerstandskämpferin. In Gespenster von Christian Petzold glaubt eine Französin in einer Berliner Streunerin ihre einst entführte Tochter zu erkennen.

"Dem deutschen Film geht es so gut wie nie", sagt der Leiter der Berlinale-Sektion German Cinema, Heinz Badewitz, und vergleicht den Marktanteil deutscher Filme in den Kinos mit der starken Stellung des einheimischen Films in Frankreich. Die Berlinale kann davon nur profitieren. Den Verlust an Hollywood-Produktionen wird sie so möglicherweise kompensieren. Nichtsdestotrotz darf für das nächste Jahr mit einer Terminverlegung gerechnet werden, um die US-Stars zurückzuholen.