Gleichklang unter Todfeinden? Zumindest war das der Fall beim Dinner in Davos, wo der iranische Außenminister Charazi (wenn man sich den Akzent wegdenkt) genauso sprach wie George W. Bush und Condi Rice. Erstaunt durften die Mit-Esser (kein Wein, kein Fleisch) hören, wie der Teheraner Außenminister erstens die irakischen Wahlen als solche und zweitens deren pünktliche Abhaltung pries.Die Wahlen an diesem Sonntag seien ein Geschenk für das irakische Volk - die Chance, sich ein demokratisches Gemeinwesen zu geben. Deren Verschiebung aber wäre des Scheitans (Teufels) gewesen, nämlich ein Etappensieg der Baathisten und Terroristen.Diesen Gleichklang zu notieren, ist um so wichtiger als kein Nachbarland des Iraks heißen Herzens die Wahlen vom 30. Januar zelebriert, dafür aber alle für deren Aussetzung oder Verschiebung plädiert hatten. Wird doch jedes arabische Land von Sunniten (oder Ablegern, wie den syrischen Alawiten) beherrscht; der Albtraum dieser Potentaten ist das Ende des sunnitischen Machtmonopols.Kein Wunder, dass Teheran just aus diesem Grund den Spruch des Volkes herbeisehnt, weil sich die schiitische Mehrheit des Iraks so endlich eine Stimme verschaffen könnte, deren Lautstärke ihrer Zahl entspricht. Selbst beim nächsten Punkt sprach Charazi so, dass er eine Einladung ins Weiße Haus gewärtigen könnte. Des Volkes Verdikt, so der Außenminister, wäre der Anlass dafür, dass alle "fremden Truppen" das Land verließen. Dass der Abzug der Amerikaner ein Herzenswunsch der Iraner ist, darf man unbesehen glauben. Aber ihre Argumente – dass dergestalt dem Terror im Irak der Boden entzogen würde – werden auch in Washington ernsthaft diskutiert.Fazit: Politik hat zuvorderst mit Interessen zu tun und erst dann mit Ideologie. Da es keinen Wein beim Essen gab, war Charazi auch ganz nüchtern – nämlich in der Beschreibung gemeinsamer Interessen mit dem Land, dem sonst nur der Kampfruf "Marg bar Amrika", Tod den Amerikanern, gilt. Ein aufmerksamer Zuhörer war der Senator Joseph Biden, der unter Kerry Außenminister geworden wäre. Nach Washington könnte er zweierlei mitnehmen: einmal den gerade beschriebenen Gleichklang, zum zweiten die faszinierende Hypothese, dass man auch in der Atomwaffenfrage ins Geschäft kommen könnte.