Die erste Disziplin bei der Ski-WM im italienischen Bormio und Santa Caterina ist absolviert. Im Super-G der Damen gewann die Schwedin Anja Pärson, bei den Herren holte der US-Amerikaner Bode Miller die Goldmedaille und hielt somit sein Vorhaben aufrecht, genau wie der Norweger Lasse Kjus 1999 in Vail, in jeder der fünf Disziplinen eine Medaille zu gewinnen. Miller gilt als Eigenbrödler, der nicht nur auf den Pisten seinen eigenen Stil pflegt. Zu den europäischen Wettkampforten tingelt er im gesponserten Wohnmobil, das er stets in Zielnähe positioniert - dort, wo er, wie diese Saison so oft, seine Skier triumphierend der Menge entgegen streckte.

Nach seinem Auftaktsieg im Super-G hätte Miller sein fahrendes Zuhause wahrscheinlich sogar staufrei von Bormio zum zweiten Austragungsort Santa Caterina lenken können, denn der zaghaft erhoffte Zuschauerandrang bleibt dieser Tage aus. Nur jeweils 4.000 Zuschauer nahmen sich die Zeit und einen Haufen Geld, um die Ski-Stars zu bestaunen. Für ihre Helden im Ruhestand, Deborah Compagnoni und Alberto Tomba, hätten möglicherweise ein paar mehr Einheimische die Preise zwischen 35 (entlang der Piste) und 130 Euro (im Zielraum) bezahlt und für Stimmung gesorgt.

Bevor Miller schließlich sein Wohnmobil wieder aufsuchen konnte und sich mental den bevorstehenden Aufgaben im Kunstschnee widmen konnte, erfolgte die Siegerehrung auf der Piazza Cavour im historischen Stadtkern Bormios, der genauso schneefrei war wie der Rest der WM-Orte - und zum Zeitpunkt der angesetzten Siegerehrung zudem stromfrei. Nach einer Stunde mit zeitüberbrückender Blasmusik hing schließlich die erste Goldmedaille um Millers Hals.

Die nächste könnte ihn am Donnerstag nach der Kombination schmücken, die aus einem Slalomdurchgang und einer verkürzten Abfahrt bestehen wird. Dann wären es „nur noch“ drei Goldene, die Miller für den WM-Rekord fehlen. Bei der Abfahrt am kommenden Samstag ist die Konkurrenz vor allem auf österreichischer Seite enorm groß. Doch nicht so groß, wie es die Österreicher selbst gerne hätten. Allein sechs für die WM gemeldeten Österreicher buhlen um die fünf Startplätze.

Michael Wachhofer ist als Titelverteidiger automatisch dabei, gesetzt ist nur Johann Grugger als Chamonix-Gewinner und Test-Sieger auf der WM-Strecke. Bleiben noch Werner Franz, Fritz Strobl, Christoph Gruber und Hermann Maier. Alle haben Erfolge vorzuweisen, die sie zum Titelanwärter machen. Eine interne Qualifikation musste wetterbedingt abgesagt werden und so bleibt es weiter spannend, wie Chef-Trainer Toni Giger sich entscheidet.

Das sind Sorgen, die der Deutsche Skiverband (DSV) vor Freude in die Hände klatschen ließe. Allein der Abfahrts-Überraschungssieger vom Grödener Weltcup, Max Rauffer, und Slalom-Spezialist Alois Vogl nähren bescheidene Hoffnung auf Medaillen für die Herren, die wohl einmal mehr im Schatten der DSV-Damen um die Tore kurven werden.

Einen Grund zur Freude trotz seit Jahren ausbleibender Erfolge hat Hubertus von Hohenlohe, der heute seinen 46. Geburtstag feiert. Völlig sorgenfrei kann er sich die Bretter unterschnallen und die Hänge hinunterjagen. Um den Sieg geht es dem Ski-Exoten nicht. Zehn Sekunden Rückstand zur Spitze strebt der in Mexiko geborene Neffe vom ehemaligen Fiat-Boss Umberto Agnelli an. Ein Sturz im Super-G am Samstag verhinderte seine Abfahrt erst einmal. Vor über 20 Jahren hatte Hohenlohe als Student den Sprung ins Liechtensteiner Nationalteam verpasst. Darauf besann er sich seiner Wurzeln und gründete 1981 den mexikanischen Skiverband. Nach 1982 fehlte er bei keiner Weltmeisterschaft und nahm bereits 1984 an den olympischen Spielen von Sarajevo teil. In Bormio möchte er wieder beweisen, dass er nicht zu weit von der Weltspitze entfernt ist.