DIE ZEIT: Herr Epstein, auf die romantische Liebe geben Sie nichts. Warum?

Robert Epstein: Weil wir dabei die Lust mit der Liebe verwechseln. Wir sehen im Kino, dass sich zwei schöne Menschen treffen, sie werden von ihren Gefühlen überwältigt, haben wilden Sex, und in der nächsten Szene heiraten sie. Das ist naiv, und dennoch suchen wir alle danach. Und daher halten unsere Ehen nicht, denn nur auf Lust lässt sich keine Beziehung bauen. Dabei könnten wir unsere Erfolgsquote massiv vergrößern, wenn wir das Zufällige in der Liebe verringern. Wir müssen nur wieder Kontrolle über unser Liebesleben gewinnen.

ZEIT: Um das zu beweisen, haben Sie das Love Project initiiert. Sie sind mit einer fremden Person eine Beziehung eingegangen, um zu zeigen, dass man die Liebe lernen kann.

Epstein: Am Valentinstag 2003 habe ich einen Liebesvertrag mit einer Frau unterzeichnet. Darin haben wir uns versichert, dass wir uns mit niemand anderem einlassen würden und dass wir zu einer begleitenden Paarberatung gehen würden. Einer Beratung, die nicht versucht, etwas Kaputtes zu reparieren, sondern die eine Art Liebes- und Kommunikationstraining ist. Und es hat funktioniert. Wir haben Gefühle füreinander entwickelt. Leider wohnte sie in Venezuela, was große logistische und finanzielle Probleme mit sich brachte. Außerdem wurde das Projekt von CNN begleitet, was auch nicht gut für die Beziehung war. Vor einem Jahr habe ich einen neuen Vertrag mit einer anderen Frau abgeschlossen, wir sind mittlerweile verlobt und werden bald heiraten.

ZEIT: Gratuliere. Geht das mit jedem?

Epstein: Es muss schon eine gewisse körperliche Anziehung geben…

ZEIT: …gibt es da nicht wieder das Problem mit der Lust?…

Epstein: …die Lust darf nur nicht alles überdecken. Es muss eine Basisübereinstimmung da sein. Für mich ist zum Beispiel essenziell, dass eine Frau Kinder mag und sehr umsorgend ist. Wenn es dazu noch eine begleitende Paarberatung gibt, dann bin ich zutiefst davon überzeugt, dass Menschen lernen können, sich zu lieben. Da kann man viel von den arrangierten Ehen in Indien lernen.

ZEIT: Das widerspricht allerdings völlig der Idee der Aufklärung, dass man nämlich selbst lernen muss, eine Wahl zu treffen.

Epstein: Ich würde nie die arrangierte Heirat propagieren, aber ich glaube, wir können von diesen Ehen lernen. Da kommen Menschen als Fremde zusammen, ohne romantische Liebe. Eine indische Studie hat gezeigt, dass die Liebe in diesen Ehen die Liebe in Liebesheiraten ab dem fünften Jahr übertrifft. In arrangierten Ehen wird die Liebe stärker, in Liebesheiraten wird sie kleiner.

ZEIT: Sehnen sich die Menschen nach jemandem wie Ihnen, der ihnen die Entscheidung abnimmt, wer gut für sie ist? Jemand, der sagt, es geht mit jedem, vertrödel die Zeit nicht mit Suchen?

Epstein: Ja, die Menschen stehen unter einem enormen Druck, den Richtigen zu finden. Und wenn etwas nicht funktioniert, suchen sie jemand Neuen. Und die Partnerbörsen im Internet machen das immer einfacher. Aber sie helfen nicht unbedingt, einen Partner zu finden.

ZEIT: Aber Sie sagten doch, man kann sich mit ein bisschen Hilfe in so gut wie jeden verlieben.

Epstein: Das stimmt, man darf nur am Anfang nicht zu hohe Erwartungen haben. Und das haben die meisten Leute immer noch. Dabei ist alles, was man für eine gute Beziehung braucht, messbar und trainierbar. Ich habe für die Basisübereinstimmung zusammen mit der Partnerbörse intros.com einen Test entwickelt, der in Kürze online geht. Wer sich auf dieser Grundlage trifft, einen Liebesvertrag abschließt und zur begleitenden Paarberatung geht, der lernt, sich zu lieben. Das gibt uns ein bisschen mehr Kontrolle über unser Liebesleben zurück.

ZEIT: Wo haben Sie Ihre zukünftige Frau getroffen?

Epstein: Im Internet, bei Match.com. Ich habe geschrieben, dass ich jemanden suche, der eine liebevolle Beziehung aufbauen will, in der die Liebe langsam immer stärker wird, ich habe lauter romantische, idealistische Sachen geschrieben. Wir sind essen gegangen, ins Kino, und dann habe ich sie gefragt, ob sie diesen Vertrag unterschreibt.

Die Fragen stellte Kerstin Kohlenberg