DIE ZEIT: Señor Estrada, ist das Kyoto-Protokoll wirklich ein Erfolg für das Weltklima?

Raúl Estrada: Selbstverständlich. Das Protokoll ist ein deutliches Zeichen an die Industrie und an die Konsumgesellschaft. Bisher hafteten dem Abkommen immer noch Zweifel an, es sei womöglich nur ein Vorschlag von Umweltschützern und Öko-Enthusiasten. Jetzt ist klar, dass die Mehrheit der Regierungen will, dass die vereinbarten Maßnahmen greifen. Bedauerlich ist nur, dass die USA und Australien abseits stehen.

ZEIT: Welchen Sinn macht die Vereinbarung, wenn ausgerechnet die USA als weltweit größter Klimasünder nicht mitmachen?

Estrada: Weniger Sinn als mit ihnen. Aber die Haltung der USA kann sich ändern. Die Anreize, welche die EU und andere Industrienationen ihrer Wirtschaft nun auferlegen, werden die internationale Wettbewerbsfähigkeit der amerikanischen Industrie schmälern. Klimaschonende Technologien werden weltweit gefragt sein ...

ZEIT: ... und deshalb werden die USA doch noch zum Klimaschutz finden?

Estrada: Ich hoffe es. Die Alternative wären nämlich Handelskonflikte. Aber auch die Amerikaner werden sich des Klimaproblems zunehmend bewusst. New York und Kalifornien haben bereits ambitionierte Energiekonzepte.

ZEIT: Was erwarten Sie von Staaten wie Deutschland, die das Kyoto-Protokoll ratifiziert haben?