Vor 70 Jahren wird in Deutschland die Wehrpflicht wieder eingeführt, die nach den Bestimmungen des Versailler Vertrags abgeschafft ist. Sie gilt dem Regime und der Militärführung als unabdingbar für die Aufrüstung und die Vorbereitung des Krieges. Darüber hinaus soll sie die Armee zur Schule des Systems machen und den Nationalsozialismus fester in der "Volksgemeinschaft" verankern.

Die Dokumente, die wir für diese Seite ausgewählt haben, erhellen beide Aspekte auf eindringliche Weise. Das erste ( "Wo haben Sie gedient?" ) ist ein Artikel, den der damalige Pressechef des Reichswehrministeriums Major Hermann Foertsch 1935 für eine populäre Zeitschrift geschrieben hat. Foertsch, Jahrgang 1895, wurde noch kurz vor Kriegsende zum Befehlshaber der 1. Armee im Westen ernannt; er starb 1961 in München. Sein jüngerer Bruder, der Wehrmachtgeneral Friedrich Foertsch, war von 1961 bis 1964 Generalinspekteur der Bundeswehr.

Der zweite Text ( Erziehung in der Wehrmacht ), ebenfalls aus dem Frühjahr 1935, ist ein Erlass des Reichswehrministers Generaloberst Werner von Blomberg (1878 bis 1946). Blomberg war von 1933 bis 1938 Minister, seit 1935 Oberbefehlshaber der Wehrmacht. 1936 zum Generalfeldmarschall ernannt, erhielt er 1937 das Goldene Parteiabzeichen. Sein Erlass zeigt nicht nur, wie hingebungsvoll sich die Militärführung zum NS-Staat bekannte, sondern auch, dass sie eine "neue" Armee wollte, mit dem Soldaten als "Volksgenossen in Uniform".

Beide Texte beleuchten zudem die besondere Tradition der Wehrpflicht in Preußen- Deutschland, wo die Armee stets einen über den "militärischen Wirkungskreis" hinaus gehenden Erziehungsauftrag hatte oder glaubte zu haben. Angesichts der zähen Debatte um die Wehrpflicht heute scheint es fast, als wirkte diese Tradition immer noch nach. Benedikt Erenz

" "Wo haben Sie gedient?"
Major Hermann Foertsch, Reichswehrministerium, über die Pflicht zum Waffendienst

" Erziehung in der Wehrmacht
Der Erlass des Reichswehrministers Generaloberst Werner von Blomberg vom 16. April 1935

" Diskussion
1935 zur Aufrüstung und Vorbereitung eines Krieges wieder eingeführt, ist der Grundwehrdienst heute heftig umstritten. Wer geht noch zum Bund? Reichen neun Monate für eine sinnvolle Ausbildung, oder liegt die Zukunft in einer Berufsarmee? Diskutieren Sie mit!