Ihre Gegner reagieren verärgert, bei der BBC ist ein kollektiver Seufzer der Erleichterung zu vernehmen: Die Zukunft des größten öffentlich-rechtlichen Senders der Welt ist gesichert. Die Regierung Blair hat sich entschieden, die Royal Charta, die nächstes Jahr ausläuft, um zehn Jahre zu verlängern. Besonders wichtig: Das Prinzip der Finanzierung durch Gebühren bleibt erhalten. Parlament und Regierung wollen zwar in Zukunft noch einmal auf das delikate Gebührenthema zurückkommen. Das verlangt die rapide Veränderung der elektronischen Medienlandschaft im Zeichen digitaler Vielfalt. Auch wird es Reformen im Management und beim Aufsichtsgremium der BBC geben. Doch das ändert nichts daran, dass die lange, kontroverse Debatte über die Rolle der Corporation mit einem Happy End ausging. Die Ironie der Geschichte ist nicht zu übersehen: Die BBC verdankt die erfreuliche Wendung einer Labourregierung, mit der sie im bitteren Konflikt lag über die Kelly/Gilligan-Affäre und das irakische Waffendossier. Dessen ungeachtet blieb Tony Blair ein Anhänger des öffentlich-rechtlichen Prinzips. Die Gegner der Gebührenfinanzierung ließ er ausbremsen. Medienministerin Tessa Jowell konnte mit Rückendeckung des Premiers auch den Versuch abwehren, die BBC stärker an die staatliche Kandare zu nehmen und einen Teil der Gebührengelder künftig auch anderen Sendern zukommen zu lassen. Die Konservativen wären weniger pfleglich mit dem Public Broadcaster umgesprungen. Sie haben fertige Pläne in der Schublade, die Gebühren durch Abonnements, Sponsorengelder und Werbung zu ersetzen. Nun tadeln sie die "kosmetischen Korrekturen" und werfen der Regierung vor, eine Chance für die Neuordnung des Rundfunks und Fernsehens im digitalen Zeitalter verpasst zu haben. Die BBC muss fortan beweisen, dass sie willens und fähig ist, mehr ernsthafte, informative Programme auszustrahlen. Die Quotenjagd der vergangenen Jahre, die unter Generaldirektor Greg Dyke systematisch betrieben wurde, soll ein Ende nehmen. Das hat sein Nachfolger Mark Thompson hoch und heilig versprochen. Damit aber bleibt der Corporation jenes Dilemma erhalten, das auch Deutschlands öffentlich-rechtliche Anstalten zur Genüge kennen. Schielen sie zu sehr auf hohe Einschaltquoten, beschimpft man sie als Quotenidioten. Präsentiert man dem Publikum zu viel ernsthafte Kost, sinken die Einschaltquoten. Das gefährdet das Recht, allen Bürgern eine - dazu noch regressive - Gebühr abzuverlangen. Ein Balanceakt ist erforderlich, der niemals alle Kritiker zufriedenstellen wird.