Als die Prominenz in großen Autos vorfuhr, um Max Schmeling beim Gedenkgottesdienst in der Hamburger St. Michaeliskirche die letzte Ehre zu erweisen, hatte Frau Johannsen einen von zwei Reisebussen aus ihrem Unternehmen schon vor der Kirche geparkt. Aus Hollenstedt kommt sie, dorther, wo das Boxidol Max Schmeling am 4. Februar gestorben war. Sie und die meisten Leute, die sie zum Abschied zur Kirche steuerte, kannten Schmeling persönlich. "Er war ein Mensch zum anfassen. Nicht nur alte Menschen sind aus Hollenstedt hier, auch bei Kindern war er sehr beliebt", schwärmt Frau Johannsen im geheizten Bus und erzählt, wie er einst "bestimmt 200.000 Mark" für eine neue Wasserrutsche im örtlichen Schwimmbad investierte. Eine von vielen karitativen Hilfen, die Schmeling für Bedürftige gerne beisteuerte.Franz Beckenbauer, Uwe Seeler, Hardy Krüger, Michael Stich, Ole von Beust, Otto Schily hießen einige der Gäste, die die Gedenkfeier für den ersten deutschen Schwergewichtsweltmeister von 1930 zu einem vielbeachteten Spektakel machten. Einer der ersten, auf den sich die Journalisten stürzten, war Henry Maske, seines Zeichens ein Box-Weltmeister noch nicht so lang vergangener Zeiten. "Er war ein Mensch, der viel mehr war, als eben nur ein Sportler", nahm Maske vorweg, wie später fast unisono auch Franz Beckenbauer und die Hamburger Fußball-Bekanntheit Uwe Seeler ihren Freund Max Schmeling charakterisierten. "Zurückhaltend und bescheiden" ist er laut Franz Beckenbauer gewesen, dem er "eine große Glückstunde" bereitet hat, als er dem Fußballer Anfang der 70er-Jahre das Du angeboten hat."Er wäre doch so gerne 100 geworden", erinnert sich Frau Johannsen unterdessen und gerne würde auch sie "dem Max" in der Kirche gedenken, anstatt im Bus zu warten. Auch einen Blick auf den Vorplatz des Hamburger Michels kann sie vom Fahrersitz nicht erhaschen, auf dem der Gottesdienst für nicht geladene Gäste auf einer Großbildleinwand gezeigt wird. Etwa 50 Menschen haben sich hier versammelt, lauschen der Predigt und erinnern sich an "den größten deutschen Sportler" aller Zeiten, wie ein Passant wehmütig schwärmt. Ein weiterer nennt ihn eine Legende, an der ihm "alles imponiert hat". Kurz darauf verliest Prälat Dr. Stephan Reimers Schmelings Konfirmationsspruch aus der Bergpredigt: "Klopfet an, so wird euch aufgetan." Gerne hätte auch Schmelings fröstelnder Anhänger, der ihm "hier draußen die letzte Ehre erweisen will", in der Kirche Abschied genommen, "Max hätte es sicher so gewollt, dass alle rein dürfen".Frau Johannsen hatte eigentlich mit noch mehr Andrang gerechnet, Schmelings Grab im niedersächsischen Hollenstedt neben dem seiner Frau Anny Ondra sei inzwischen zur Pilgerstätte geworden. Aufs Neue erinnert sie an den Menschen Schmeling, auf dessen Schoß die Kinder spielten und neben dem sie schon im Bus gesessen hat. Der Gottesdienst geht dem Ende entgegen, ihr Handy klingelt. "Ja, die Heizung ist schon an", antwortet sie dem Anrufer schmunzelnd. Sie lässt schon mal den Motor an. Gleich geht’s zurück nach Hollenstedt. Gut möglich, dass sie dort durch die Max-Schmeling-Straße fährt oder zumindest an einer der Sporthallen vorbei, die nach dem Mann benannt sind, an den heute erinnert und an den noch lange gedacht werden wird - in sportlicher wie in menschlicher Hinsicht.