Damals galt das Hartz-Konzept noch als Wunderwaffe. Im Herbst 2002 gewann die SPD mit der Prognose, die geplanten Reformen würden die Zahl der Arbeitslosen bis Ende 2005 auf zwei Millionen senken, die Bundestagswahl. Zehn Monate vor Ablauf der Frist ist das Ziel in weite Ferne gerückt. Im Februar waren über 5,2 Millionen Jobsuchende registriert, 575000 mehr als vor einem Jahr. Die Quote beträgt nun 12,6 Prozent.

Die "Jahrhundertreform" hat bislang offenbar keinen Erfolg gebracht. Hat sie die Lage auf dem Arbeitsmarkt womöglich gar verschärft?

Johann Eekhoff ist Professor an der Universität zu Köln und Direktor des Instituts für Wirtschaftspolitik. Seine Bilanz: "Die Arbeitsmarktreformen sind im Wesentlichen gescheitert – hätte die Regierung nur die Finger davon gelassen!" Viele der subventionierten Ich-AGs, lautet seine These, würden sich bald als Flop erweisen. Und ob Mini- oder Ein-Euro-Jobs: So finde kaum jemand wieder eine reguläre Stelle, mit der er seinen Lebensunterhalt selbst bestreiten kann.

Bereits 2003, im Rahmen von Hartz I, richteten die Arbeitsämter flächendeckend Personal-Service-Agenturen (PSA) ein. Die sind oft bei Zeitarbeitsfirmen angesiedelt, nehmen schwer vermittelbare Arbeitslose unter Vertrag und verleihen sie an Unternehmen. Bis Ende dieses Jahres sollten so 780000 Menschen Beschäftigung finden, Ende Januar 2005 waren es gerade mal 25000. "Klägliche Zahlen, angesichts der Erwartungen", sagt Eekhoff. Weil ortsübliche Löhne zu zahlen sind, fordert die Wirtschaft die Leiharbeiter kaum an – und übernimmt sie noch seltener in feste Jobs. Der erhoffte "Klebeeffekt" blieb aus.

Kein Wunder, dass von diesem angeblichen Herzstück der Hartz-Reform heute niemand mehr spricht.

In der Fachgemeinschaft Bau Berlin und Brandenburg sind rund 1200 mittelständische Betriebe organisiert. Deren Hauptgeschäftsführer Wolf Burkhard Wenkel sagt: "Für uns sind die Hartz-Reformen völlig kontraproduktiv. Es ist unglaublich, was sich der Staat da leistet." Besonders die Förderung der Ich-AG sei "im Baubereich total absurd". Ein regulär beschäftigter Mitarbeiter kostet 25 bis 30 Euro pro Stunde. Verdingt er sich aber als Selbstständiger, so zahlt sein Chef nur noch 15 bis 20 Euro für ihn. Wie will man da verhindern, dass Ich-AGs Arbeitsplätze vernichten? "Es entsteht ein erheblicher ökonomischer Druck, Leute zu entlassen", sagt Wenkel. "Die Stellen werden dann eins zu eins mit Scheinselbstständigen besetzt." Anders sei man in der Krisenbranche dem Konkurrenzkampf kaum noch gewachsen.

Genau das ist das Problem der aktiven Arbeitsmarktpolitik: dass der erste Arbeitsmarkt damit unter Druck gerät, deshalb Stellen gestrichen werden – und die Arbeitslosigkeit letztlich steigt.

Ähnlich negativ wie die Ich-AGs sieht Wenkel die Minijobs. Es sei inzwischen ein "gängiges Prinzip", auf dem Bau mit geringfügig Beschäftigten zu arbeiten. Wenn der Zoll nach Schwarzarbeitern fahndet, erscheint das Arbeitsverhältnis legal. Wer will den Minijobbern ihre Stundenzahl nachweisen? Tatsächlich arbeiten viele von ihnen nicht 15 Stunden pro Woche, sondern Vollzeit und werden schwarz bezahlt. Klar, dass auf dem Bau die Zahl der regulären Arbeitskräfte immer weiter sinkt.