Der Schriftsteller Tankred Dorst hat soeben an unauffälliger Stätte abermals das Flirren eines Mythos beschworen. Diesmal war, nach Merlin und Parzival, ein halber realer Heiliger dran: Charles de Foucauld (1858 bis 1916), der weltmännische, unehrenhaft geschasste französische Kolonialoffizier, der in der Sahara bis zu seiner Ermordung als frommer, von den Einheimischen verehrter Mystiker wirkte. In Dorsts Stück Die Wüste darf Charles allerlei Stimmen hören, der Sand und die Vögel erzählen ihm Geschichten, und Gott erbarmt sich der rührenden Gesellschaft, indem er mitten am Tag die Sonne untergehen lässt. Am Ende wird der tote Charles von seinem Mörder berührt, und Blut spritzt aus dem Leichnam. Das Opus liest sich wie eine seltsam fidele Gruppenarbeit von Wilde, Feydeau, Wagner und Barlach, erweitert um die Sahara-Erfahrungen einiger moderner Reisender. Die lebendige Übertragung ins Theater von heute wird im Dortmunder Schauspielhaus leider auf jenem Niveau verpasst, das dem Kassenstand des heimischen Fußballvereins entspricht.

Charles (Harald Schwaiger) ist ein schnoddriger Stoiker, dem zum Dandy die Grandezza fehlt und zum Eremiten die Geduld. Dazu ein hanebüchenes Ensemble aus Plärrern und Schreidrosseln. So gebührt der Produktion eigentlich eine Kritik nach dem Vorbild der Trappisten, in deren Orden der wirkliche Charles die Demut lernte und: das Schweigen.