Zu den übelsten Gestalten der deutschen Kolonialgeschichte gehört zweifellos Carl Peters. Der glühende Anhänger einer aggressiven Kolonialpolitik agitierte nicht nur für überseeische Besitzungen, sondern nahm ihren Erwerb praktischerweise gleich selbst in die Hand. Bei der Durchsetzung seiner Ziele vor Ort war er wenig zimperlich. Sein brutales Vorgehen in Afrika verschaffte ihm bald die wenig schmeichelhaften Spitznamen "Hänge-Peters" und "Mkono-wa-damu – der Mann mit den blutigen Händen". Dementsprechend kritisch beurteilen denn auch die meisten Historiker seine Person. Hans-Ulrich Wehler beispielsweise charakterisiert Peters als einen "erfolgsarmen, gerichtsnotorisch kriminellen Psychopathen", der "eine explosive Mischung von pangermanischen, antisemitischen, unverhohlen rassistischen Ideen" verfocht.

Arne Perras geht in seiner leider nur auf Englisch erhältlichen Biografie nicht ganz so hart ins Gericht mit dem "Gründer von Deutsch-Ostafrika". Auf der Grundlage zahlreicher unveröffentlichter Quellen beschreibt er ausführlich und in sachlichem Ton Peters’ wechselhafte politische Karriere: vom gefeierten "Kolonialpionier" nach der Erwerbung Deutsch-Ostafrikas 1884/85 über seine unehrenhafte Entlassung aus dem Reichsdienst 1897 wegen der aus persönlichen Gründen befohlenen Hinrichtung zweier Afrikaner bis zu seiner vollständigen Rehabilitierung 1937 durch die Nationalsozialisten, die in ihm einen Vordenker ihrer "Lebensraum"-Politik sahen. Das uneingeschränkt zu empfehlende Buch schließt mit einem kurzen Kapitel über die hitzigen Diskussionen, die in vielen deutschen Städten über die Umbenennung von Carl-Peters-Straßen geführt wurden und immer noch geführt werden.