Das öffentliche Waschhaus drüben in Afurada, auf der anderen Seite des Flusses, hatten sie schon einmal im Juni aufgesucht, ohne Erfolg. Als sie damals erschienen, verstummten die Frauen. Wer waren diese beiden, und was wollten sie mit den Geräten? Und da sein Englisch, ihr Spanisch die Portugiesinnen nicht erweichte, zogen sie tonlos wieder davon.

Dieses lavadouro público ist ein Ort des geselligen Waschens und Trocknens; niemand bleibt auf sein ärmliches und enges Zuhause verwiesen. An den großen, steinernen Bassins stehen robuste Frauen mit großen Brüsten und groben Bürsten, die Hände in Gummihandschuhen. Kernseife trübt das Wasser, es riecht nach Lauge. Rhythmisch und kraftvoll walken und wringen sie Röcke, Teppiche und Strümpfe, es fährt ein Plätschern, Klatschen, Schnaufen, Spritzen und Sprechen durch den Raum und ein Gurgeln, wenn irgendeine den Stöpsel zieht, das alles von spitzem Nachhall sekundiert.

Alejandra & Aeron hofften, die Waschfrauen singen zu hören, es singt aber keine. Da lässt ein Klempner, der nach den Rohren sieht, von seiner Arbeit ab und bedeutet ihnen, er wisse eine Frau, gleich nebenan, die eine schöne Stimme habe, und geht los, sie zu holen.

Bald erscheint sie, Lächeln entblößt eine Lücke zwischen ihren Zähnen, sie wirft den Kopf zurück und schmettert voller Inbrunst los von der Liebe und vom Fischen, und ihre Hände beschwören tristeza e alegria mit ausgreifenden Gesten. Und die glatten Wände des Waschraums spiegeln ihr Flehen.

Im vergangenen Juni waren Alejandra & Aeron das erste Mal überhaupt in Porto gewesen, sie wussten nichts von der Stadt, sie hatten nichts gelesen, aber sie hatten diesen Auftrag von Portos wunderbarem Museum für moderne Kunst, dem Fundação de Serralves: Sie sollten, vor Weihnachten noch, eine Installation im Foyer errichten, und man wünschte sich etwas mit Klang von ihnen, denn für ihre akustischen Arbeiten haben sie inzwischen unter Hörkunstexperten und Kuratoren weltweit einen Namen.

Eine Sommerwoche lang waren sie die sanft gewellten Straßen der Altstadt auf- und abgelaufen, hielten da und dort inne, fotografierten, versuchten zu verstehen, was es hier für sie zu tun gäbe. Eine Idee hatten sie nicht, und Aeron wurde nach einigen Tagen schon etwas nervös; die Erwartung lastete auf ihnen.