Sie sahen die zwei eisernen Brücken über den Fluss, die Eiffel gebaut hatte, sie gingen in den seltsamen Bahnhof, der als Kopf unmittelbar vor einem Tunnel saß, wo die Züge erschienen oder verschwanden, sie standen vor den Mosaiken, sandig eingelegt in die Bürgersteige, oder sie bestaunten die mit Kacheln farbenprächtig gestalteten Häuserfronten. Sie sahen den kleinen Reichtum Portos und Portos große Armut, deren Würde ihnen Eindruck machte. Sie nahmen nichts auf, weil sie nicht wussten, was.

Dann fanden sie die steinalten Friseure, die steinalten Kunden die Haare schnitten, mit zwei Scheren gleichzeitig, und wollten das Stereogeschnippe und -geschnappe aufnehmen, wurden aber abgewiesen. Dann fanden sie die Kerzengeschäfte mit den Spezialkerzen, die Gläubigen beim Gesundbeten helfen, wenn sie in der Kirche aufgestellt und entzündet werden: Kopfkerzen, Lungenkerzen, Herzkerzen, exakte Nachbildungen der von Krankheit befallenen Organe, Kerzen fürs linke Bein und Kerzen fürs rechte. So kamen sie allmählich nach Porto.

Alejandra war 17 gewesen, als sie Aeron vor zehn Jahren in Toronto beim Studium kennen gelernt hatte, sie Kunst, er Kunstgeschichte. Erst wurden die beiden ein Paar, dann ein Künstlerpaar. Sie lebten und arbeiteten in Detroit und in New York, in London und in La Rioja, und gerade wohnen sie in Barcelona. Vielleicht zieht es sie bald nach Berlin?

Sie sind überall und nirgends, aber stets unzertrennlich, und wenn man ihn ohne sie antrifft oder sie ohne ihn, dann ist das nur für ein paar Minuten oder eine Ausnahme, weil der eine krank ist und der andere notgedrungen allein zu einer verabredeten Aufnahme gehen muss.

Wie zu Domingos Martins Machado, draußen in Tebosa, einem Dorf nordöstlich von Porto. Aeron kommt nach einem missglückten Restaurantbesuch nicht mehr aus dem Badezimmer, und Domingos wartet schon unter dem Mandarinenbaum vor dem Haus an der Landstraße, ein wurzliger, stolzer, alter Mann, dessen Portugiesisch ohne Pause nun in spanische Öhrchen prasselt, die sich alle Mühe geben.

Domingos baut Cavaquinhos, kleine viersaitige, der Ukulele verwandte Gitarren, deren heller, kecker Klang zu Portugal gehört. Seine Werkstatt ist eine über und über mit Staub und Spänen bedeckte Höhle. An den Wänden, am Boden, überall hängen und liegen halbfertige Instrumente, von denen einige unter der Staubschicht schon unscharf erscheinen. Domingos erzählt und erzählt, und schweigend an der rissigen Werkbank feilt Alfredo Matos Machado, der bullige Sohn. Mit einem Kantmesser entfernt er überstehendes Holz von einem Korpus, schnell und präzis und nur nach Augenmaß. Jeder Griff gibt ein Geräusch. Man hört ein Raspeln, Bersten und Poltern, vom Resonanzkörper verstärkt, und den unter der Anstrengung schwankenden Atem des Meisters. Alejandra streckt ihm das Mikrofon entgegen.