Den Internationalen Frauentag habe ich erstmals in der Stadt Freiburg begangen. Morgens kaufte ich eine Zeitung. Der Leitartikel handelte vom Frauentag. Sein wichtigster Gedanke lautete: "Emanzipation muss im Kopf stattfinden." Die Leber ist nämlich nicht geeignet dazu, dass in ihr die Emanzipation stattfindet, denn die ist ein alter Macho und arbeitet langsamer, wenn der Chef eine Frau ist. Im Politikteil brachten sie den Artikel darüber, dass immer mehr Frauen immer ärmer werden, sowie den frauenpolitischen Aufruf von Irmingard Schewe-Gerigk, grün. Die Dritte Seite ging über Frauen in Palästina. Außerdem hatten sie Artikel über arbeitslose Frauen, über emsige Kreisrätinnen, über solidarische Frauen-Netzwerke, über die aus Anlass des Frauentages stattfindende Ausstellung Frauen in der Europapolitik, einen Kommentar im Lokalen sowie das Porträt einer Gleichstellungsexpertin.

Das waren zehn Artikel. Ich fand das übertrieben. An Weihnachten bringen sie, wenn’s hochkommt, in der Zeitung sechs, sieben Artikel über Weihnachten, davon wird auch die frömmste Seele satt. An Ostern kommen höchstens vier Osterartikel!

Tage, die in den letzten Jahren Karriere gemacht haben: Frauentag. Christopher Street Day. Valentinstag. Welt-Aids-Tag. Tage, die voll der loser sind: Volkstrauertag. Sankt Martin. Tag der Verkehrssicherheit. Ein Tag, den keiner kennt: Weltseniorentag. Oder: Internationaler Arbeitslosentag. Da könnte man schreiben: "Jobsuche muss im Kopf stattfinden."

Am Tag nach dem Frauentag brachte die Zeitung mehrere Artikel darüber, wie der Frauentag so gewesen ist. Dabei erfuhr ich, dass es in Freiburg drei Frauenbeauftragte gibt, nämlich Cornelia Hösl-Kulike, Ursula Knöpfle und Renate Holub-Gögelein. Die drei Frauenbeauftragten kommen sich offenbar dauernd in die Quere. Jedenfalls wird die Freiburger Gleichstellungspolitik jetzt klarer strukturiert. Ursula Knöpfle übernimmt federführend die Frauenförderung. Cornelia Hösl-Kulike wird zur Gender-Mainstreaming-Beauftragten ernannt. Alles, was übrig bleibt, kriegt, wenn ich es richtig verstehe, Renate Holub-Gögelein. Harald Schmidt und Stefan Raab haben übrigens so viele Witze über Doppelnamen gemacht, dass man, wenn man einen Doppelnamen hört, heutzutage nicht mehr denkt: "Lustig, lustig." Statt dessen denkt man: "Die arme Frau, so ein Name ist ja wie eine unüberlegte Tätowierung, zum Beispiel ›Windsurfer tun es im Stehen‹ auf der Pobacke. Kann denn nicht mal die Frauenbeauftragte kommen und sie von dem stigmatisierenden Namen befreien? Huch, sie ist es ja selber."

Die Zeitung versuchte zu erklären, was Gender-Mainstreaming ist. Es habe damit zu tun, überkommene Rollenmuster aufzulösen. Wenn 2010 am Freiburger Frauentag die Frauen angeduselt durch die Wälder torkeln, We are the champions singen und stundenlang lallend auf die Frühbeete urinieren, während am Männertag im Rathaus von dem Männerbeauftragten Eberhard Henlein-Hollertau die Ausstellung Männer in der Europapolitik eröffnet wird, dann hat Cornelia Hösl-Kulike einen super Job gemacht. Denn von überkommenen Rollenmustern kann dann keine Rede mehr sein.