Nicht jeder vom Autor gezeichnete Text ist so, wie ihn der Autor gern geschrieben hätte. Dafür gibt es einen Grund: Platzmangel. So wie Werbeblöcke für die abendlichen Spielzeiten der Balltreter verantwortlich sind, so verhält es sich mit Texten der Autoren. Wir müssen uns heute nach der Größe der Anzeigen richten. Sie bestimmen, wie viele Zeilen der Autor auf seine Leser loslassen darf, während es früher einmal umgekehrt war.

Deshalb geschieht es immer wieder, dass ich mehr hätte schreiben wollen über ein Rezept für Schweineohren oder Minzsauce, aber nicht schreiben konnte, weil der Platz auf meiner Seite bereits an einen Sprungfedermatratzenhersteller vermietet war. Vielleicht ist es diesmal ein Bananenimporteur, der verhinderte, dass meine Berichte über Dublin und Cork ausführlicher wurden. Das möchte ich korrigieren.

Zunächst einmal muss gesagt werden, dass all die schrecklichen Berichte über die englische Küche vielleicht nicht mehr zutreffen; in Irland wird aber überwiegend noch so gekocht wie damals, als die Mütter ihren maulenden Kindern drohten: „Wenn du deinen Teller nicht leer isst, schicke ich dich zum Essen nach Irland!"

Der Grund dafür ist wie überall, wo schlechtes Essen registriert wird, der Widerstand der Konsumenten gegen Veränderungen seiner Koch- und Essgewohnheiten. Diese antimoderne Haltung wirkt am schlimmsten, wenn sie mit Traditionen begründet wird. Das traditionelle Rezept für ein Irish Stew stammt im Zweifelsfall aus einer Epoche, in der die Menschen so arm waren, dass ihnen nicht einmal Kohl und Hammelfleisch zur Verfügung standen. Also kochten sie den deftigen Eintopf mit Kartoffeln und Zwiebeln und waren auch noch stolz darauf. In der deutschen Küche ist es keineswegs anders. Immer noch wird die Mehlschwitze in Ehren gehalten und die Königsberger Klopse werden mit einem Mischmasch aus Rinder- und Schweinehack zubereitet.

Was also soll das Meckern über Parsnips ? Diese bei uns als Pastinaken bekannten Wurzeln sind im Winter ein dominierendes Nahrungsmittel in Irland. Wenn man sie schält, zerkleinert, in Wasser weich kocht und anschließend püriert, schmecken sie wie ein verpuptes Sofakissen. Das Risiko, den Gemüsebrei kräftig zu pfeffern, eventuell mit Curry oder Zitrone zu würzen, das geht keine Köchin ein, sofern sie nicht von der IRA oder der protestantischen Seite in die Luft gesprengt werden will. Dieses fade Püree liegt auf irischen Tellern wie bei uns der Kartoffelkloß beim Gänsebraten.

Das ist der Fluch der Traditionen, jener Erzwiderstand gegen alle Veränderungen in der Küche, der nicht wahrhaben will, dass Kochmethoden sich verändern müssen, weil sich alles verändert, womit wir umgehen und was uns betrifft.

Natürlich bewegt sich auch in Irland vieles. Am deutlichsten - und überaus erfreulich - ist die Nachfrage nach Bio-Produkten. Sie nennen es dort organic food , und auch wenn es in Irland wie bei uns eher aus Angst vor gesundheitsschädlichen Rückständen in konventionellen Produkten verlangt wird, so ist es doch ein Zeichen dafür, dass der Konsument umdenken kann. Was, so ist zu hoffen, letzten Endes auch der geschmacklichen Qualität des Essens zugute kommt.